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Door: Florian Hauschild

Nach Elon Musk und Facebook-Sprecherin Regina Dugan äußert sich nun auch Alibaba-Chef Jack Ma zur Entwicklung künstlicher Intelligenz und deren gesellschaftlichen Folgen. Der Menschheit stehen Jahrzehnte des Schmerzes ins Haus, so der chinesische Milliardär.

Jack Ma ist in China das, was Mark Zuckerberg, Elon Musk oder Jeff Bezos im Silicon Valley sind. Dem Selfmade-Milliardär gelang es als erstem Unternehmer aus dem Reich der Mitte, mit seinem Tech-Konzern Alibaba nicht nur einen globalen Big Player zu schaffen, sondern auch selbst zur gewichtigen Stimme in gesellschaftlichen und politischen Debatten zu werden. Ma ist längst ein eigener Machtfaktor neben der chinesischen Politik und zugleich der Prototyp einer neuen Unternehmer-Generation in China.

Dass eine solche Biografie auch im zentralistischen und autoritär regierten China möglich ist, zeigt, wie schwach Politik im globalen Maßstab längst geworden ist. Die Digitalkonzerne und Datenminen erobern immer mehr Gestaltungsräume – überall auf der Welt.

Besonders eine Episode verbildlicht diese Entwicklung auf äußerst deutliche Weise: Direkt nach seiner Wahl traf der damals noch designierte US-Präsident Donald Trump zuerst Jack Ma, lange bevor der chinesische Präsident Xi Jinping in Washington auftauchte. Ma ließ den Partei- und Staatschef aus dem eigenen Land damit wie einen Nachzügler aussehen.

Das menschliche Gehirn soll vernetzt werden - so wünscht es sich der Unternehmer und Investor Elon Musk.

Reich geworden ist der ehemalige Englischlehrer aus Hangzhou mit einer chinesischen Adaption des Geschäftskonzeptes von Amazon. Alibaba ist längst der größte Online-Handelsplatz Asiens. Und auch in der Unternehmensstrategie scheint sich Ma bei Amazon-Chef Jeff Bezos einiges abzuschauen: Während der Silicon-Valley-Unternehmer im Jahr 2013 die traditionsreiche Washington Post aufkaufte, meldete Alibaba zwei Jahre später den Kauf der South China Morning Post, der größten englischsprachigen Zeitung Hongkongs.

Längst ist es neben der finanziellen Macht und der Macht über die Daten auch der mediale Einfluss, der sich in den Händen der milliardenschweren Tech-Unternehmer zu Gestaltungsmöglichkeiten verbindet, deren klar definierte Mission die Architektur der Zukunft ist.

Der Transhumanismus drängt in den Mainstream

Die vorgegebenen Ziele entstammen dabei der Ideologie des Transhumanismus und setzen zunächst vor allem auf die zunehmende Entwicklung künstlicher Intelligenz und der technischen Vernetzung dieser mit dem Menschen selbst. Gleich mehrere solcher Projekte wurden von den Big Playern in den vergangenen Wochen an die Öffentlichkeit getragen, was sich als eine Art Mainstream-Startschuss für die bisher eher subkulturell verfolgte Agenda werten lässt.

Ende März gab der milliardenschwere Unternehmer und Gründer der Unternehmen SpaceX und Tesla, Elon Musk, bekannt, mit dem neurowissenschaftlichen Startup Neuralin eine Mensch-Computer-Schnittstelle (BCI) entwickeln zu wollen.

Ins Gehirn implantierte Elektroden sollen es künftig Menschen erlauben, per Gedankenübertragung mit Maschinen und anderen Menschen zu kommunizieren. Sprache und Bilder hätten schlicht eine zu geringe Datenrate, um die Kommunikation der Zukunft zu bewerkstelligen, so Musk.

Ins ähnliche Horn bläst Facebook: Vergangene Woche kündigte der Social-Media-Riese ebenfalls die Entwicklung eines Brain-Computer-Interfaces an. Doch dem Unternehmen zufolge ist das alles halb so wild: Regina Dugan, Unternehmens-Sprecherin und Chefin von Facebooks geheimer Hardware-Abteilung Building 8, versicherte, dass mit der Technologie nicht etwa willkürlich Gedanken lesbar gemacht werden sollten, sondern lediglich solche, die an das Sprachzentrum weitergeleitet werden. Am Ende ist dies wohl eine Frage des Vertrauens.

Dr. Seltsam vs. Das Schweigen der Lämmer

Doch es wäre zu einfach, die Musks, Zuckerbergs und Mas dieser Welt als reine Wiedergänger von Dr. Seltsam zu sehen, die ihre Macht lediglich zu finsteren Zwecken einsetzen wollen. Denn die Unternehmer formulieren recht offen ihre Zukunftsvisionen und legen damit eigentlich für alle sichtbar die Karten auf den Tisch. Die Frage lautet vielmehr: Erkennen die Gesellschaften, dass das Spiel um die Zukunft längst begonnen hat oder wenden diese sich mit Schrecken und Grauen ab, verlieren sich in Zerstreuung oder debattieren lieber über Belanglosigkeiten? Der bloße Statist wird immer nur Getriebener und am Ende Leidtragender der geschichtlichen Entwicklung bleiben.

Einblicke- die würde Facebook sicherlich gewinnen wenn es seine geplante Technologie zum direkten Tippen aus dem Gehirn verbreiten könnte

Dass die Fragen der Zukunft nicht alleine in den geheimen Laboren der Tech-Konzerne entschieden werden, betonte der Chinese Ma nun auf einer Konferenz in Zhengzhou. Überraschend und ungewöhnlich ernsthaft warnte Ma vor den gesellschaftlichen Folgen der fortschreitenden technologischen Entwicklung, Digitalisierung und der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI):

In den nächsten 30 Jahren wird auf der Welt weit mehr Schmerz als Glück sein, weil es viel mehr neue Probleme gibt, die uns begegnen. Soziale Konflikte werden in den nächsten drei Dekaden einen Einfluss auf alle möglichen Industrien und den Lauf des Lebens haben.

Als Auslöser der Konflikte sieht Ma zwar die zunehmende Automatisierung von Arbeitsprozessen und den Austausch von Menschen durch Robotern im Arbeitsalltag, als Plädoyer gegen künstliche Intelligenz und Augmented Reality dürfen Mas Worte jedoch nicht missverstanden werden. Auch Elon Musk stellte seiner Ankündigung, eine Mensch-Computer-Schnittstelle entwickeln zu wollen, eine dystopische Warnung voran. Verweigert sich der Mensch dem technologischen Upgrade, wird er das Rennen gegen die Künstliche Intelligenz verlieren und diese am Ende die Kontrolle übernehmen, so Musk.

Es ist eine altbekannte politische Strategie: Schaffe ein Problem und sorge für dessen Lösung. Nur, dass auf Grund der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit im digitalen Zeitalter die Kassandrarufe nahezu zeitlich mit der Verkündung von so genanntem Fortschritt zusammenfallen, der die Lösung verspricht und alles auch noch aus denselben Mündern ertönt.

Was Ma mit seiner apokalyptischen Warnung hinsichtlich künstlicher Intelligenz eigentlich ausdrücken will, zeigt am besten eine Anekdote aus seinem eigenen Leben, auf die der Unternehmer in seiner Rede in Zhengzhou ebenfalls verwies. Früher habe er selbst davor gewarnt, wie Internetunternehmen den traditionellen Handel umkrempeln und nach und nach übernehmen werden:

Vor 15 Jahren hielt ich Reden und warnte 200 oder 300 Mal, dass das Internet einen Einfluss auf alle Industrien haben werde, aber die Menschen hörten nicht auf mich, weil ich ein Niemand war.

Mas Konsequenz aus dem Gefühl, mit seiner Prognose nicht ernst genommen worden zu sein: Der Chinese gründete Alibaba und wurde mit dem Onlinehandel zum Milliardär. Am Ende war es der einstige Unglücksprophet selbst, der die Klinge an den Hals der kleinen Einzelhändler setzte. Ein Stoff, der durchaus bühnentauglich ist. Ebenso wie die Frage, ob Ma, Musk und Zuckerberg nun die möglicherweise “böse Zukunft” zu verantworten haben, oder jene, die sich schlicht nicht für die Fragen der Zeit interessieren.

Das Glasperlenspiel

Es ist kein Zufall, dass vor allem auch im Silicon Valley einflussreiche Stimmen zunehmend für das Bedingungslose Grundeinkommen plädieren. Schließlich müssen die Massen ruhig gehalten werden und weiter in der Lage sein, Apps zu kaufen und ihre Smartphone-Verträge zu bezahlen, auch nachdem Kollege Roboter oder Chefin Algorithmus den eigenen Arbeitsplatz wegdigitalisiert hat.

Zwar wäre es eigentlich Aufgabe der Politik, solche Fragen zu behandeln und zu beantworten, aus den träge gewordenen Apparaten der alten Macht sind jedoch längst keine Antworten mehr zu erwarten. Wie auch? Während die Repräsentanten der Politik mühsam intern um Positionen und extern um Wählerstimmen kämpfen müssen, können die Tech-Riesen die Kundschaft mit dem Versprechen alltäglichen Komforts und jeder Menge Spaß bezirzen. Die bunten Apps übernehmen dabei dieselbe Funktion wie einst die Glasperlen, welche die spanische Conquista den Ureinwohnern Amerikas im Tausch gegen deren Gold überließ. Einzig: Das Gold der heutigen Zeit sind Daten. Doch sind sie nicht schön, diese Glasperlen?