Philip Oberhaidinger
FOTO: PHILIPP OBERHAIDINGER – CC BY-NC 2.0

Kontrast RedaktionVon: Kontrast Redaktion

Publikation: 3-10-2017

Es folgt ein kleiner Abriss zur Eigentümer-Struktur innerhalb der österreichischen Medienlandschaft. Das Fazit: Raiffeisen, katholische Kirche und einige wenige Familien besitzen den Großteil des Medienmarktes. Wieweit Eigentümer und Inserate den Inhalt von Medien mit bestimmen, bleibt an dieser Stelle offen. Es empfiehlt sich dazu die Lektüre Noam Chomskys “Die Konsensfabrik – Die politische Ökonomie der Massenmedien”.

Netzwerkgrafik der österreichischen Medien und ihrer Eigentümer

DIE RAIFFEISEN-MEDIEN

Der Raiffeisen-Konzern ist nicht nur Hausbank und Garant für Versorgungsposten der ÖVP, sondern auch ein gut vernetzter und starker Player am österreichischen Zeitungs-Markt. Sie besitzt über 50 Prozent der Tageszeitung „Kurier“ und über diese gemeinsam mit der „Kronen-Zeitung“ und dem deutschen Zeitungs-Konzern “Funke Medien” (Ehemals WAZ) den „Media-Print Verlag“, seines Zeichens der größte österreichische Zeitungs- und Zeitschriftenverlag.

Über Magazine sind wiederrum die Familie Fellner (Medien-Gruppe Österreich) und die Raiffeisen verbunden. Beiden halten Anteile an der „Verlagsgruppe News“, die mit ihren Zeitschriften „Profil“, „Trend“, „Format“ und „News“ den österreichischen Magazin-Markt beherrscht. Doch der Raiffeisen-Konzern ist nicht nur mit den Fellners und der Krone verbunden, sondern auch mit der katholischen Kirche.
Eine Liste aller Zeitungen und Zeitschriften-Titel mit Raiffeisen-Beteiligung findet ihr auf Fisch+Fleisch – “Das größte österreichische Medienhaus – Raiffeisen?”.

DIE KIRCHE UND IHRE MEDIENBETEILIGUNGEN

Die Bank mit dem Giebelkreuz und die Kirche haben sich nämlich beide in ein niederösterreichisches Leitmedium eingekauft – die „Niederösterreichischen Nachrichten “. Die NÖN hat in Niederösterreich eine Reichweite von 34,2 % und gehört zu 80 % dem Bistum und der Diözese St. Pölten. Die übrigen 20 % hält die Raiffeisenbank NÖ-Wien.

Das waren aber längst nicht alle Medienbeteiligungen der Kirche. Der Styria-Verlag ist zu 98,33% im Eigentum der Katholischer Medien Verein Privatstiftung und ist der größte Regionalmedien-Konzern Österreichs. Die Kirche besitzt über diesen Verlag unter anderem Anteile an der online Plattform „willhaben.at“, die Tagezeitung „die Presse“, das Frauenmagazin „Wienerin“ und die „Kleine Zeitung“. Letztere ist mit über 50% Reichweite in Kärnten und der Steiermark besonders einflussreich.

DER STANDARD

Neben der Tageszeitung „die Presse“ gilt der Standard als Qualitätszeitung. Dieser befindet sich zu 85,6 % im Besitz der Bronner Familien-Privatstiftung. Die restlichen Anteile halten Gründer und Herausgeber Oscar Bronner (12,6 %) und einzelne Mitarbeiter der Tageszeitung (1,8 %).

FALTER

Eine dem Standard ähnliche Leserstruktur hat die Wochenzeitung „Falter“. Der Falter gehört großteils Sigmar Schlager und dem Chefredakteur und Herausgeber Armin Thurnher. Die beiden halten über Stiftungen 74,98 % an der Wochenzeitung. Die übrigen Anteile besitzen Hannes Pflaum und Hans-Michel Piech zu je 12,51 %.

BOULEVARD FEST IN HAND VON DICHANDS UND FELLNERS

Österreichs Boulevard-Zeitungen befinden sich nahezu vollständig in der Hand von 2 Familien. Zuerst wäre da natürlich die Familie Dichand, sie besitzen gleich die zwei größten Tageszeitungen Österreichs: „Krone“ und „Heute“ – Heute-Herausgeberin Eva Dichand ist die Frau des Krone-Herausgebers Christoph Dichand.

Die zweite Medien-Familie, die genannt werden muss, sind die Fellner-Brüder Wolfgang und Helmut. Sie besitzen gemeinsam die „Mediengruppe Österreich“ und damit, neben der Gratis-Zeitung Österreich unter anderem, auch die online Portale „wetter.at“ und „oe24.at“.

MOSER HOLDING MIT VERBINDUNG ZUR RAIFFEISEN

Im Westen Österreichs sind vor allem die „Vorarlberger-Nachrichten“ und die „Tiroler-Tageszeitung“ von Bedeutung. Die TT weist in Tirol gemeinsam mit ihrer gratis Version über 50 % Reichweite auf und steht im Besitz der Moser-Holding.
Moser-Medien besitzt auch die “Oberösterreichische Rundschau”. Die Zeitschrift ist gratis und geht wöchentlich an alle Haushalte und gilt als sehr ÖVP-linientreu. Dem entsprechend wardie Raiffeisen Landesbank Oberösterreich zwischen 2009 und 2013 mit knapp 15 % an der Moser Holding beteiligt.

RUSSMEDIA – FAMILIENCLAN MIT GUTEN KONTAKTEN ZUR ÖVP

Noch bessere Reichweiten-Werte weisen die „Vorarlberger-Nachrichten“ (53,4 % in Vbg.) auf. Diese steht im Besitz von Russmedia, der Privatstiftung der Familie Russ. Die Familie hat ausgezeichnete Kontakte zur ÖVP. So ist die Schwester des Verlegers Eugen Russ, Gabriele Nußbaumer, Vize-Landtagspräsidentin für die Volkspartei.1

MEDIENREICHWEITE 2016

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