Publiziert: Konjunktion, 13-11-2017

Damit dürfte sich der ehemalige Präsident von Facebook, Sean Parker, wenig Freunde gemacht haben. Weder bei Facebook selbst, noch bei den Facebook-Jüngern, die die sozialen Medien als die „beste Erfindung nach dem Buchdruck“ sehen. Sean Parker war der erste Präsident von Facebook, der bereits 2004 zur weltweit größten sozialen Plattform stieß. Bei einer Konferenz im National Constitution Center in Philadelphia warf er Facebook vor, dass es die menschliche „Verwundbarkeit mittels psychologischer Ansätze ausbeutet“ und warnte eindringlich davor, dass „nur Gott weiß, was es in den Köpfen unserer Kinder anrichtet (God only knows what it’s doing to our children’s brains)“.

Parker wies in der Gesprächsrunde der vom Magazin Axios ausgerichteten Konferenz darauf hin, dass soziale Medien eine Vielzahl an Gefahren mit sich bringen und zeigte sogar auf, wie die menschliche Psyche durch diese manipuliert wird. Der ehemalige Gründer der Tauschplattform Napster ist inzwischen Vorsitzender des von ihm gegründeten Parker Institute for Cancer Immunotherapy. Bei der von Axios ausgetragenen Konferenz sollte er eigentlich über die neuesten Entwicklungen in der Krebsforschung sprechen, ging aber auch auf die Gefahren von Facebook und Co. ein:

„Der Gedankengang, der in die Entwicklung dieser Anwendungen eingeflossen ist, wobei Facebook der erste von ihnen war … drehte sich um: ‚Wie erhalten wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit wie möglich?‘, sagte Parker. „Und das bedeutet, dass wir Ihnen ab und zu einen kleinen Dopamin-Hit geben müssen, weil jemand ein Foto oder einen Post oder was auch immer mochte oder kommentierte“, sagte er zu Axios„Und das bringt Sie dazu, mehr Inhalte einzustellen, und das wird Ihnen … mehr Likes und Kommentare bringen.“Parker fügte hinzu: „Es ist eine Social-Validation-Feedback-Schleife … genau die Art von Sache, die ein Hacker wie ich aufbauen würde, weil du eine Schwachstelle in der menschlichen Psychologie ausnutzt.“

„Die Erfinder, Schöpfer – ich bin einer, Mark Zuckerberg ist einer, Kevin Systrom von Instagram ist einer, es sind all diese Menschen – haben das genau verstanden“, sagte er. „Und wir haben es trotzdem getan.“

(„The thought process that went into building these applications, Facebook being the first of them … was all about: ‚How do we consume as much of your time and conscious attention as possible?‘ Parker said.

„And that means that we need to sort of give you a little dopamine hit every once in a while, because someone liked or commented on a photo or a post or whatever,“ he told Axios„And that’s going to get you to contribute more content, and that’s going to get you … more likes and comments.“

Parker added: „It’s a social-validation feedback loop … exactly the kind of thing that a hacker like myself would come up with, because you’re exploiting a vulnerability in human psychology.“

„The inventors, creators — it’s me, it’s Mark Zuckerberg, it’s Kevin Systrom on Instagram, it’s all of these people — understood this consciously,“ he said. „And we did it anyway.“)

Parkers Eingeständnis bzw. Warnung war aber beileibe nicht die erste seiner Art. Schon 2014 wurde Facebook vorgeworfen, dass das Unternehmen die „menschlichen Emotionen ausnutze und zudem manipuliere“, ohne dass dies die Nutzer wissen oder es ihnen gesagt wurde:

… Facebook enthüllte, dass es die Newsfeeds von über einer halben Million zufällig ausgewählter Nutzer manipuliert habe, indem es die Anzahl der positiven und negativen Posts, die sie gesehen haben, änderte. Es war Teil einer psychologischen Studie, um zu untersuchen, wie Emotionen in sozialen Medien verbreitet werden können.

(…Facebook revealed that it had manipulated the news feeds of over half a million randomly selected users to change the number of positive and negative posts they saw. It was part of a psychological study to examine how emotions can be spread on social media.)

Doch hier hört Facebook noch nicht mit seinen Eingriffen auf. Wir wissen, dass die soziale Plattform darüber hinaus „Faktenprüfer“ eingestellt hat, die eher dem „linken Spektrum zuzuordnen sind“, um die Reichweite bestimmter Inhalte von bestimmten Nutzern einzuschränken, die in den Augen der „Prüfer“ als „Fake News-Lieferanten“ gelten.

Zahlreiche ehemalige Angestellte von Facebook haben die immer mehr um sich greifende Zensur konservativer Meinungen und Ansichten bereits angeprangert. Facebook selbst musste 2015 zugeben, dass es bestimmte Posts und Kommentare zensiert, wenn diese Themen wie „politische Korruption“ oder „Inhalte, die manche Regierungen als nicht passend für ihre Bürger deklarieren“ beinhalten. Ergo: Facebooks Zensur ist eigentlich keine neue Meldung und der Umfang dürfte in den nächsten Monaten sogar noch massiv zunehmen.

Das größte und gleichzeitig wichtigste Problem, dessen sich die Menschen im Bezug auf Facebook immer gewahr sein sollten, ist, dass Facebook und Co. eine „politische Blase, eine Echokammer“ erschaffen, in der nur noch einseitige politische Nachrichten stattfinden, während alternative Ansichten keinen Raum mehr haben und somit eine gesunde Debattenkultur nicht mehr stattfinden kann. Aber solange die Nutzer nicht erkennen wollen (oder auch können), dass sie sich in einem manipulativen Umfeld befinden, das ihnen Meinungsvielfalt und Vielfältigkeit vorgauckelt, solange können Plattformen wie Facebook erfolgreich sein und als wichtiges Sedativ und Regulativ in unserem Gesellschaftssystem fungieren.

Quellen:
Facebook’s Founding President Sean Parker Admits Social Network Manipulates Human Psychology
Sean Parker: Facebook was designed to exploit human „vulnerability“
President of Facebook Sean Parker unloads on Facebook „exploiting“ human psychology
Facebook Tinkers With Users’ Emotions in News Feed Experiment, Stirring Outcry
Liberal, Moderate or Conservative? See How Facebook Labels You
Snopes, Which Will Be Fact-Checking For Facebook, Employs Leftists Almost Exclusively
Former Facebook Workers: We Routinely Suppressed Conservative News
Facebook admits censoring posts and comments about political corruption