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Andere Länder zeigen: Der 6-Stunden-Tag nützt allen – Kontrast.at

kontrast.at · by Von Natascha Strobl · December 15, 2017

Göteborg hat den 6h-Tag getestet. Das Ergebnis nach zwei Jahren: Die ArbeitnehmerInnen sind gesünder und glücklicher. In der Tech-Branche stieg außerdem die Produktivität. In ganz Europa geht der Trend der letzten Jahrzehnte in Richtung Arbeitszeitverkürzung. In Österreich wird jetzt dagegen der 12h-Tag eingeführt, statt über den offensichtlichen Nutzen kürzerer Arbeitszeiten zu sprechen.

Göteborg, die zweitgrößte Stadt Schwedens, hat 2015 ein ambitioniertes Projekt gestartet: Zwei Jahre lang wurden in einem städtischen Altersheim die Arbeitszeiten auf sechs Stunden pro Tag bei vollem Lohnausgleich reduziert. Das Altersheim wurde bewusst ausgewählt, da es sich bei den Angestellten fast ausschließlich um Frauen handelt.

2017 liegen die Erkenntnisse vor: Die Mitarbeiterinnen fühlen sich glücklicher und gesünder. So sank die Zahl der Krankenstände nach einem Jahr auf durchschnittlich 5,8% während der Schnitt in Göteborg bei 12,1% lag. Das alles hatte wiederum positive Effekte auf die HeimbewohnerInnen. Auch das städtische Krankenhaus hat die 30-Stunden-Woche getestet – mit durschlagendem Erfolg. Unattraktive Arbeitszeiten hatten zuvor Personalmangel und einen Leistungsabfall verursacht. Mit der Arbeitszeitverkürzung konnten die Leistungen ausgebaut und sogar die Wartezeiten auf Operationen verkürzt werden.

Mehr Arbeitsplätze, weniger Krankenstände

Eine Win-Win-Win-Situation: Den Mitarbeiterinnen geht es besser. Die BewohnerInnen und PatientInnen werden besser betreut. Der Staat hat zufriedene und gesunde Angestellte.

Eine Herausforderung waren die vorerst zusätzlichen Kosten, die für die Kommune entstanden. Da die BewohnerInnen 24-Stunden-betreut werden, wurden weitere Mitarbeiterinnen eingestellt. Allerdings: Das bedeutet auch mehr Jobs und mehr Steuereinnahmen. Langfristig betrachtet bedeutet so ein Arbeitsmodell allerdings für die öffentliche Hand auch Ersparnisse, weil es weniger Krankenstände und weniger Invaliditätspensionen gibt.

Tech-Branche als Vorreiterin: Mehr Produktivität, höhere Gewinne

In der schwedischen Tech-Branche funktioniert der 6-Stunden-Tag schon seit vielen Jahren. Allen voran zeigt der Automobilhersteller Toyota wie dies funktionieren kann. Bereits 2003 stellte das Werk in Göteborg auf kürzere Arbeitstage bei vollem Lohn um.

Das Ergebnis zeigte nicht nur zufriedenere und motiviertere Angestellte, sondern auch einen Anstieg in Produktivität und damit den Profiten. Die Gründe hierfür sind simpel: Einerseits wurden unnötige lange Meetings verworfen bzw. effizienter gestaltet. Andererseits ergeben sich im Arbeitstag viel weniger Leerläufe, die mit Social Media oder Internetsurfen gefüllt wurden. Salopp ausgedrückt:

Die Menschen gehen in die Arbeit und erledigen diese fokussierter und konzentrierter. Danach gehen sie nach Hause und haben genügend Zeit, um den Nachmittag mit ihren Familien, FreundInnen und ihren Hobbies zu verbringen.

Kürzere Arbeitstage statt längere wären vernünftig

In den letzten Jahrzehnten ging der Trend europaweit in Richtung Arbeitszeitverkürzung, denn: Menschen arbeiten dank neuer Technologien produktiver, Arbeitsschritte werden vereinfacht und mehr Zeit für ein Leben abseits der Arbeit wurde als erstrebenswert betrachtet. Umso verwunderlicher ist es, dass Österreich nun längere statt kürzere Arbeitstage forcieren will.

5-Stunden-Arbeitstag in Bielefeld

In unserem Nachbarland Deutschland gibt es ebenfalls erste Projekte hin zu einer deutlichenEr Arbeitszeitverkürzung. Eine Kommunikationsagentur in Bielefeld testet momentan sogar eine 25-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Ein endgültiges Fazit wird Ende Februar 2018 gezogen. Schon jetzt zeigt sich, dass Leerläufe reduziert werden konnten und die MitarbeiterInnen besser und motivierter arbeiten.

Auch wenn es differenziertere Betrachtungsweisen und unterschiedliche Modelle für verschiedene Branchen braucht, so zeigen alle Versuche: Weniger Arbeit bedeutet bessere Arbeit.

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kontrast.at · by Von Natascha Strobl · December 15, 2017