Der tägliche Kampf auf den Straßen

Der tägliche Kampf auf den Straßen

23-12-17 08:47:00,

Radsaison

(Bild: Foto: Dennis Skley / CC BY-ND 2.0 )

Subjektive Betrachtungen eines Berliner Fahrradfahrers

Auf den Straßen der großen Städte, ob hierzulande, in den beiden Amerikas, in Asien oder in Afrika, herrscht zweifellos Wild West. Keine Frage. Dass aber Wissenschaftler, die dies näher untersuchen, daraus den Schluss ziehen, vor allem den Fahrradfahrern müssten die Verkehrsregeln nahe gebracht werden, verwundert dann doch ein wenig.

Oder vielleicht nicht so sehr, wenn man die Sozialisierung der Forscher bedenkt. Immerhin kommen sie aus einem Land, in dem einst öffentliche Verkehrsbetriebe von Autokonzernen aufgekauft und ruiniert wurden, einem Land, in dem es derart vom Auto dominierte Großstädte gibt, dass diese kaum Fußwege und Fußgängerampeln kennen wie etwa die Ölmetropole Houston.

Sicher, in Berlin, der Fahrradmetropole wider Willen, gibt es jede Menge Fahrradfahrer, deren Kenntnis der Straßenverkehrsordnung eher rudimentär ist und die reichlich nerven können, wenn sie über die Fußwege sausen. Für Fußgänger kann dies mitunter gefährlich, auf jeden Fall aber insbesondere für ältere, meist schreckhaftere Menschen sehr unangenehm sein.

Berlin ist, das macht es sehr sympathisch und liebenswert, die vermutlich anarchischste Stadt Deutschlands. Fast ein bisschen so wie Athen, Guangzhou oder Istanbul. So sehr, dass Touristen hierher kommen und meinen, die üblichen Regeln des Zusammenlebens seien außer Kraft gesetzt. Letzteres trägt einiges zur Hassliebe der Alt- wie Neuberliner zu ihrer wichtigsten Einnahmequelle bei.

Aber in Berlin kann man auch beobachten, wie fließend die Grenzen zwischen anarchischer Missachtung von Obrigkeit und Regeln auf der einen und Rücksichtslosigkeit auf der anderen Seite sind. In einer Welt, in der der ökonomische Kampf eines Jeden gegen Jeden zum obersten Credo geworden ist und gleichzeitig auch noch die letzte Lebensäußerung der Kommerzialisierung unterworfen werden soll – der hiesige Senat bereitet zum Beispiel gerade die Privatisierung von Schulen vor –, ist dieser fließende Übergang nicht weiter überraschend.

PS-Stärke und Gewicht des Fahrzeugs scheinen eine eingebaute Vorfahrt mit sich zu bringen

Auf den Straßen heißt dies dann, dass ein Fahrradfahrer schon eine gehörige Portion Mut aufbringen muss, sein Recht auf Benutzung der Fahrbahn wahrzunehmen. Das Konzept des Sicherheitsabstands ist dem Berliner Autofahrer nämlich vollkommen fremd und auch vom Blinken und Ähnlichem haben offenbar nicht alle in der Fahrschule gehört.

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