Politiker im Trauma: „Nicht nur Trump ist herzlich zur Therapie eingeladen“ – Experte

Politiker im Trauma: „Nicht nur Trump ist herzlich zur Therapie eingeladen“ – Experte

09-01-18 12:21:00,

Panorama

11:00 09.01.2018(aktualisiert 18:15 09.01.2018) Zum Kurzlink

Das derzeitige Politik- und Wirtschaftssystem bringt immer mehr Menschen hervor, die traumatisiert, also seelisch verletzt sind. Das sagt der renommierte Psychotherapeut Franz Ruppert aus München im exklusiven Sputnik-Interview. Laut ihm entsteht ein Trauma schon früh im Kindesalter. „Auch unsere Politiker sind betroffen“, warnt der Forscher.

„Die Gesellschaft ist traumatisiert, weil ganz viele ihrer Mitglieder traumatisiert sind“, sagte Ruppert gegenüber Sputnik. „Umgekehrt ist eine Gesellschaft wieder traumatisierend und schafft wieder neue Traumatisierungen. Das bedingt sich wechselseitig und durchzieht das gesamte, gesellschaftliche System.“ Das Problem sei in allen gesellschaftlichen Bereichen zu finden, so Ruppert. Der Professor für Psychologie an der Katholischen Stiftungshochschule München arbeitet als Psychotherapeut mit eigener Praxis in der bayerischen Landeshauptstadt. Er hält er in ganz Europa, Asien und den USA Vorträge und Seminare zu der von ihm begründeten „Identitätsorientierten Psychotraumatherapie“.

Er prägte den Begriff der „Traumabiografie“. Das bedeutet, dass viele Menschen nicht nur an den Folgen einer einmaligen Traumatisierung leiden, sondern ihr ganzes Leben durch Auswirkungen ihrer frühen Traumata (Mehrzahl von Trauma) bestimmt werden. In der Regel ist das den Betroffenen nur selten bewusst. „Ich definiere Trauma als Psychotrauma“, so der Therapeut. Es gehe um unterdrückte, abgespaltene Gefühle. „Ein Mensch spaltet sich psychisch.“ Diese Spaltung erfolge, sobald er überfordernde Eindrücke und Reize von außen sowie unterdrückte Emotionen im Inneren nicht mehr übereinstimmend verarbeiten kann. Es komme zur inneren Spaltung, um negative Inhalte aus dem Bewusstsein fernzuhalten.

Ist die politische Elite traumatisiert?

Die Menschen würden vom System mit ihren Traumatisierungen allein gelassen. Ein Grund dafür sei, dass Politiker oft selbst traumatisiert seien. „Wie soll es dann auch anders sein? Die kommen ja aus der Gesellschaft.“ Jede gesellschaftliche Gruppe könne betroffen sein. „Ich habe in meiner psychotherapeutischen Praxis Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und kann dann sehen: Was führt eigentlich dazu, dass sich Menschen in das verstricken, was ich ‚Täter-Opfer-Dynamik‘ nenne?“ Da gehe es vor allem um Schuldzuweisungen. Der Täter schiebe die Schuld auf sein Opfer. Das Opfer wiederum schiebe die Schuld auf den Täter. „Eine unheilvolle Dynamik. Jeder denkt immer, er ist Opfer – aber in Wirklichkeit ist er oft auch ein Täter.“ 

©
AP Photo / Pablo Martinez Monsivais

Das sei auch bei Politikern der Fall.

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