Perspektiven auf die Blockchain: “Vom demokratischen Ansatz bei Bitcoin ist nicht mehr viel übrig”

Perspektiven auf die Blockchain: “Vom demokratischen Ansatz bei Bitcoin ist nicht mehr viel übrig”

13-01-18 10:35:00,

Einigen Leuten geht es bei Bitcoin und Blockchain um wesentlich mehr als Finanzspekulation. So sehen manche das Ende des Staates gekommen und träumen von einer sich selbst steuernden Gesellschaft auf Basis von vernetzten intelligenten Maschinen. Von einer Welt ohne Grenzen mit frei zugänglichen Wirtschaftsräumen. In einer dreiteiligen Interview-Serie sprechen wir mit Menschen über die Blockchain. Los geht es mit Prof. Dr. Rüdiger Weis. Er ist Mathematiker, Informatiker und Kryptograph an der Beuth-Hochschule für Technik Berlin.

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Mit der Blockchain hat sich eine neue Projektionsfläche für eine Vielfalt an gesellschaftlichen Wünschen und Idealvorstellungen aufgetan. Das Versprechen: Eine globale Datenbank, die nicht manipulierbar und absolut transparent ist. Keine Informationsasymmetrien, keine Übervorteilung. Ist die Blockchain der Exit-Plan, um einer sich nicht vertrauenden und unsolidarischen Menschheit zu entkommen?

Demokratische Alternative zum Geldsystem

netzpolitik.org: Kannst du in drei Sätzen erklären, was Blockchain ist?

Rüdiger Weis: Unter Blockchain versteht man eine Mischung aus unterschiedlichen Technologien aus der Informatik und Mathematik, die gewährleistet, dass Daten in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet werden. Mit diesem relativ einfachen Grundkonzept kann man Dinge wie eine Buchhaltung realisieren, indem man die Daten in ein öffentlich zugängliches und kryptographisch gesichertes, verteiltes Logbuch schreibt. Der revolutionäre Durchbruch kam mit der Implementierung von Bitcoin als kryptographische Währung.

netzpolitik.org: Was ist das Neuartige bei Bitcoin?

Rüdiger Weis: Das Neuartige ist eigentlich, dass da eine Gruppe von Leuten, die dem bestehenden staatlichen Geldsystem sehr kritisch gegenübersteht, versucht eine demokratische Alternative zu bauen. Die ersten Ideen dazu kamen aus Amerika, wo Libertäre und auch sogenannte Krypto-Anarchisten Modelle entwickelt haben, mit denen sie darauf abzielten, eine Währung zu generieren, die weder auf staatlicher Kontrolle noch auf der Kontrolle von großen Organisationen beruht. Der eigentliche Ansatz war zu sagen, wir machen eine demokratische, für alle nachvollziehbare Art des Geldsystems.

netzpolitik.org: Inwiefern ist der Staat in diesem System von seiner Rolle befreit?

Rüdiger Weis: Das ist ein interessantes Thema aus der Volkswirtschaftslehre. Hier geht es darum, wer die Geldmenge bestimmt. Im Falle des gängigen Geldsystems bestimmen die Staaten oder die Zentralbanken unterschiedliche Konstruktionen, während es bei Bitcoin eine harte Begrenzung der Menge der auszugebenden Bitcoins gibt.

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