Indien: Und plötzlich ist der Ganges sauber

Indien: Und plötzlich ist der Ganges sauber

25-01-18 11:39:00,

Der Ganges ist so heilig wie verschmutzt. Foto: Gilbert Kolonko

Modi will die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit dafür benutzen, ein gebrochenes Wahlversprechen von 2014 in Propaganda für die Parlamentswahlen 2019 zu verwandeln

Mit rührenden Sätzen wie: “Mutter Ganges hat mich gerufen” bekräftigte Narendra Modi nach seinem Wahlerfolg 2014 an den Ufern des “heiligen” Ganges in Varanasi seine “göttliche” Aufgabe, den Fluss aller Flüsse zu reinigen. Ein Jahr später verabschiedete die Regierung einen Fünfjahresplan zur Reinigung des Ganges mit einem Etat von 3,2 Milliarden US-Dollar – Modis Ego-Projekt, der bullet train zwischen Bombay und Ahmedabad, verschlingt dagegen 18 Milliarden US-Dollar.

Eine Studie der Aufsichtsbehörde (CAG) des Ganges-Reinigungsprojektes stellt der Regierung nun ein vernichtendes Zeugnis aus: In den ersten drei Jahren wurden die zur Verfügung gestellten Gelder nur zu 8%, 37% und 63% ausgeschöpft. Wasserproben belegen, dass der Ganges an vielen Stellen weniger Sauerstoff enthält als 2013, aber dafür stärker verschmutzt ist. An nur zwei Stellen des 2600 Kilometer langes Ganges konnten die Wasserproben zumindest Badequalität bescheinigen – in Rishikesh und in Haridwar.

Genau für diesen Bereich hat die von Modis Bharatiya-Janata-Partei gestellte Regionalregierung im Bundesstaat Uttarakhand nun deutsche Firmen und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beauftragt, bei der Flussreinigung zu helfen. Doch obwohl in der Regel schon Absichtserklärungen in der indischen Politik medial als sensationelle Erfolge verkauft werden, gab es in diesem Fall nur kleine Randnachrichten.

“Das ist wieder typisch Modi. Dreieinhalb Jahre fielen die praktischen Anstrengungen der Regierung in Sachen Gangesreinigung sogar hinter der Vorgängerregierung zurück – und pünktlich für die Wahlen 2019 bereitet er mit Hilfe der Deutschen eine erneute Wahlpropaganda vor”, sagt Dr. Gopal Krishna gegenüber Telepolis. Als Wasserexperte arbeitet er seit Jahren mit dem Ganga Protection Committee zusammen und ist der Herausgeber von Toxics Watch:

Die Reinigung des Ganges benötigt die Zusammenarbeit von zwölf indischen Bundessstaaten und vier Ländern (Indien, China, Nepal Bangladesch). Dazu müssen sich die Regierungen, Geldgeber (Banken), Firmen die am Ganges angesiedelt sind und die Firmen, die die Reinigung ausführen, absprechen. Es geht nicht einfach ‘nur’ darum, Wasser zu reinigen, sondern ein dauerhaftes System zu installieren, das auch zukünftige Verschmutzungen verhindert. Aber auch darin hat die Regierung bisher komplett versagt.

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