Prüfstein journalistischer Redlichkeit

13-02-18 09:56:00,

Robert Parrys Tod ist ein herber Verlust für unser Land als politisches und intellektuelles Gemeinwesen. Es ist schade, dass die meisten Amerikaner das nicht wissen – ja, nicht einmal wissen, wer Robert Parry ist. Diese Ignoranz ist Ausdruck dessen, wie dürftig unser politisches und intellektuelles Gemeinwesen bereits geworden ist.

Diejenigen von uns, die seine Arbeit jahrzehntelang verfolgt haben, wissen wie prinzipientreu und verlässlich, was für eine große Ressource diese Arbeit war. Wir haben ihn für selbstverständlich gehalten als Prüfstein für journalistische Integrität. An ihm konnten wir uns orientieren, seine Einschätzung wichtiger Themen, ob wir nun mit ihm einer Meinung waren oder nicht, war stets ehrlich, sorgfältig recherchiert und beanspruchte unsere Aufmerksamkeit.

Als ganz selbstverständlich betrachteten wir auch seine Lebensgeschichte – dass ihm verwehrt wurde, seine ehrliche, prinzipienfeste Arbeit in den Mainstreammedien zu verrichten und er gezwungen war, seine Karriere aus eigenen Mitteln in Form eines unabhängigen Newsletters, einer unabhängigen Webseite – Consortium News – weiterzuverfolgen. Damit schlug er eine Richtung ein, die für seine Redlichkeit, wie auch seine relative Unbekanntheit bürgte.

Zu vieles war für uns einfach selbstverständlich.

Als glühend „Roter“ möchte ich betonen, dass Robert Parry niemand war, den ich – oder den er selbst – als „Linken“, geschweige denn als „Sozialisten“ bezeichnen würde. Ich zuckte jedes Mal ein wenig zusammen, wenn er Obama für seine guten Absichten großzügig Anerkennung zollte. Er war, würde ich sagen – und ich denke, er auch –, ein Liberaler. In seiner Arbeit orientierte er sich an der journalistischen Ethik, die der Liberalismus für sich beansprucht: an prinzipienfester intellektueller Redlichkeit. Mit der öffentlich bekundeten Betroffenheit und Trauer bei Linken wie mir – die ihm, wie man an dieser Bekundung sehen kann, mit ungeheurem Respekt folgten – erkennen wir ihn als einen der letzten achtbaren Liberalen an. Sich von ihm zu verabschieden, gleicht dem Abschied von einem der letzten großartigen Exemplare einer aussterbenden Gattung, die immer kleiner war, als es den Anschein hatte.

Ich empfehle jedem, insbesondere denjenigen, die Robert Parry nicht kennen, sich ein Interview mit ihm auf Gary Brechers Radio „The War Nerd“ (ab Minute 33:30) anzuhören (1).

Es ist ein langes Interview, aber es ist großartig – ein Seminar über die letzten 40 Jahre Geschichte amerikanischer Politik und Medien. Notfalls kann man sich auch nur Teile davon anhören.

 » Lees verder