Poltergeist(er) in Pyeongchang – www.NachDenkSeiten.de

19-02-18 08:42:00,

19. Februar 2018 um 8:38 Uhr | Verantwortlich:

Poltergeist(er) in Pyeongchang

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Länderberichte

Kurz vor und während der Olympischen Winterspiele befinden sich beide Korea wieder auf der Suche nach neuen Freundbildern – sehr zum Verdruss Washingtons und Tokios, deren martialische Töne als arrogant und Spielverderberei wahrgenommen werden. Rainer Werning zieht für die NachDenkSeiten eine kritische Halbzeitbilanz der Olympischen Winterspiele.

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Wie sich die Zeiten ändern! Als Ausrichter der 24. Olympischen Sommerspiele 1988 in Südkoreas Hauptstadt Seoul führten noch knallharte Militärs um den damaligen Präsidenten Roh Tae-Woo (1988-1993) das Zepter und sorgten in politisch turbulenten Zeiten mit ihrer Choreographie immerhin für reibungslose Spiele. Genau drei Jahrzehnte später hatte es den Anschein, als ob die 23. Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang aufgrund der prekären Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel gefährdet seien, wenngleich mit Moon Jae-In seit Sommer vergangenen Jahres ein gesitteter Zivilist in Seouls Blauem Haus (dem südkoreanischen Pendant zum Weißen Haus in Washington) residiert, der eine „Sonnenscheinpolitik“ vis-à-vis Nordkorea befürwortet.

Ungeachtet wiederholter Drohungen von US-Präsident Donald Trump, dem Regime in Pjöngjang mit nie dagewesenem „Feuer und Zorn“ den Garaus zu machen und den „Raketenmann“ Kim Jong-Un in den politischen Orkus zu befördern, hielt die Regierung der Volksrepublik an ihrem ambitionierten Nuklearprogramm fest und ließ bis Anfang Dezember mehrere (darunter auch Langstrecken-)Raketen ins All feuern. Auf diese Weise unterstrich sie, dass man trotz internationaler Sanktionen und Drohgebärden aus Washington den Status einer neunten Atommacht als „effektive Selbstverteidigung“ anstrebt. Nur so sei gemäß dem Kalkül der Machthaber in Pjöngjang gewährleistet, sich angemessen gegen einen von Washington angestrebten gewaltsamen „Regimewechsel“ à la Irak 2003 und Libyen 2011 und nukleare Erpressung zu wappnen.

Neuerliche Nord-Süd-Annäherung

Aller schrillen Kriegsrhetorik zum Trotz läutete der Jahreswechsel dann eine bemerkenswerte Ära der Entspannung ein, die das Potenzial hat, nach 1972, 1991/92 und 2000 den vierten Anlauf einer innerkoreanischen Annäherung zu markieren. Möglich wurde das nicht zuletzt durch den international viel geschmähten nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un. Der nämlich hatte – diesmal in hellem Anzug mit passender Krawatte gekleidet – mit seiner Neujahrsansprache die Tür für einen erneuten Nord-Süd-Dialog unerwartet weit aufgestoßen,

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