Ost-Ghouta: Die Hölle und der Tunnelblick

23-02-18 11:09:00,

Jaish-al-Islam bei der Lagebesprechung zu Ostghouta. Bild: Propaganda/Twitter

“Schlimmer als Aleppo”: Die zivilen Toten durch Bomben sind erneut Anlass für große Entrüstung über Baschar al-Assad und Wladimir Putin. Dabei legt man zweierlei Maßstäbe an

Wenig westliche Journalisten dürften sich Ost-Ghouta so genau angeschaut haben wie der schwedische Syrien-Spezialist Aron Lund. In seinem 50-seitigen Bericht über die “Rebellen-Enklave” kann man deren Entwicklung seit 2011 nachlesen, mit ein paar historischen Schlaglichtern, die in frühere Zeiten strahlen.

Schon in sehr alten Zeiten und im berühmten “1001 Nacht” sei Damaskus wegen der Schönheit von Ghouta gepriesen worden, so Lund – “viel Wasser gibt es dort, blühende Bäumen, Vögel fliegen vorbei, die Blumen, paradiesisch” (Ibn al-Wardi, 14. Jhd.).

Im Augenblick ist das nicht so. Ost-Ghouta ist die Hölle. “250 Tote in 48 Stunden”, meldete die Tagesschau heute Morgen. “Schlimmer als Aleppo”, kommentierte die Taz gestern die “Offensive auf Ghouta” mit der Unterzeile:

Das Assad-Regime bombardiert Ghouta in einem bislang einmaligen Ausmaß. Nur interessiert das kaum noch jemanden außerhalb Syriens.

Taz

Ob das wirklich “kaum noch jemanden außerhalb Syriens” interessiert, wäre angesichts der breiten Berichterstattung über die Angriffswelle in deutschen Medienauftritten im Internet, im Hörfunk und im Fernsehen wie auch in der internationalen Öffentlichkeit sehr die Frage. Es ist nicht die einzige, die der Kommentar aufwirft.

Wie in Aleppo

Er ist exemplarisch, weil er unmittelbar und sofort schon im Titel den Vergleich zu Aleppo zieht und weil im Text die zwei elementaren Vorwürfe, womit das mörderische Geschehen in Syrien üblicherweise in den großen Medien gezeichnet wird, dort ohne viel Drumherum in Reinkultur hingeschrieben werden.

Denn die Strategie des Regimes ist die Vernichtung der eigenen Bevölkerung. (…).

Taz

Und:

Es scheint, als habe Russland dem Regime grünes Licht für seine Auslöschungskampagne in Ghouta gegeben.

Taz

“Mindestens 250 Zivilisten wurden in den letzten 48 Stunden eines unaufhörlichen Angriffs getötet, der am Montag begann”, schrieb AP gestern. 58 Kinder unter den Toten! Mindestens 1.000 Zivilisten seien verwundet worden. Die Aussicht auf eine totale Offensive könnte eine Katastrophe für 400.000 Bewohner bedeuteten, die in der Falle sitzen.

 » Lees verder