Die Eliten und wir

24-02-18 09:31:00,

Zu Beginn ist mir die Herausstellung eines Unterschiedes wichtig, dem zwischen Elitendenken und systemischem Denken.

Das große Ganze zu betrachten, ist keinesfalls elitäres Gehabe. Es ist der sehr notwendige Blick von außen auf komplexe Strukturen und Prozesse. Durch Abstraktion werden mittels Betrachtung aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedene Modelle erstellt und damit Teilaspekte von Systemen beschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Beschreibung von Gesellschaften aus der Sicht von Klassen. Systemisches Denken hilft auf allen Ebenen, gute Entscheidungen zu treffen. So wie es uns auch die Kompliziertheit dieser Welt vor Augen führt.

Das systemische Denken beinhaltet den Blick auf die Vergangenheit des Systems. Es versucht, so weit wie möglich umfassend zu sein. Systemisches Denken ist Denken über den Tellerrand hinaus und hilft so, auch empathisch geprägte Entscheidungen zu fällen. Denn es schließt auch menschliche Schicksale außerhalb des Alltagshorizonts in seine Betrachtungen ein.

Systemisch zu denken ist ein Lernprozess. Die Herausforderung besteht darin, die Vielfalt eines Systems zu begreifen und sich nicht nur auf einen Aspekt zu versteifen, der uns dann nämlich zu einem Tunnelblick verführt. So sind Klassen nur EIN Aspekt, EINE Art von Betrachtung, mit der man Gesellschaften und deren Prozesse untersuchen kann. Aber natürlich ist das ein stark reduziertes Bild von Gesellschaften. Tunnelblicke blenden das Ganzheitliche aus. Was zur Separierung eines bestimmten Aspekts sinnvoll ist, wird als dann dominierende resultierende Handlungsanweisung für das ganze System zu fatalen Folgen führen.

Systemisch zu denken, hilft uns bei der Formung unseres ganz persönlichen einzigartigen Weltbildes. Es ermöglicht uns ein wahrhaft selbst verantwortetes Leben – mehr noch dessen Vorleben. So ist unsere individuelle Herangehensweise, sowohl der systemischen Betrachtung als auch der resultierenden praktischen Umsetzung, ein lebendiges Angebot für unsere Mitmenschen.

Modelle sind nicht die Realität sondern die Annäherung an einen Teil derselben. Sie sind Abstraktionen, sehr, sehr große Vereinfachungen, die helfen, Systeme zu beschreiben.

Gesellschaftssysteme sind allerdings dermaßen komplex und dynamisch, dass ihre versuchte Änderung auf Basis von Modellen regelmäßig in das Desaster führt. Genau wenn das passiert, sind sie wieder am Werk, diejenigen die sich als außergewöhnlich wissend, als einzigartig sehend, als Eliten begreifen. Das Gottgleiche meinen Eliten – unterbewusst – in sich zu haben.

Das Elitäre macht sich fest: Einerseits an der Stellung, die man für sich selbst im (hierarchisch wahrgenommenen) System sieht; andererseits an der Dominanz des eigenen Denkens und Tuns gegenüber anderen Akteuren.

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