Brain Drain: Massenauswanderung aus der Ukraine

27-02-18 05:38:00,

Poroschenko am 8. Februar bei der Würdigung der 100 “Himmlischen”. Bild: Presidential Administration of Ukraine/CC BY-SA-4.0

Die Post-Maidan-Regierung hat die Hoffnungen der Menschen nicht eingelöst, Millionen haben das Land schon verlassen, ein weiteres Drittel der Bevölkerung ist am Überlegen

Seit Juni 2017 ist für die Ukrainer die Visumspflicht für die EU-Länder weggefallen. Der ukrainische Außenmister sprach davon, dass seitdem monatlich 100000 Ukrainer das Land verlassen hätten. Sie würden nicht nur wegen der höheren Löhne nach Arbeit in anderen Ländern suchen, sondern auch “wegen ihrer Zukunftsvision und der Lebensqualität”. Vergleicht man schon die Löhne zwischen der Ukraine und Polen, wo 1,5 Millionen Ukrainer legal arbeiten und wahrscheinlich eine halbe Million mehr sich aufhalten, dann wird klar, dass die Ukraine wenig attraktiv ist. Durchschnittlich verdient ein Arbeiter in der Ukraine monatlich 7,100 hryvnia ($265), aber in Polen mit 3,500 Zloty ($1,046) etwa das Vierfache.

Damit sagt Klimkin, dass nicht nur die Löhne in der Ukraine gering sind, sondern dass die Menschen auch die Hoffnung verlieren, dass die “Revolution der Würde”, die in eine neue Oligarchenherrschaft gemündet ist, zu einer besseren Gesellschaft führen wird. Die meisten Ukrainer gehen nach Polen und, so Klimkin, ukrainische Kinder würden in den Schulen bereits Polnisch lernen, um sich auf die Emigration vorzubereiten. Jeder dritte Ukrainer soll auf dem Schwarzmarkt arbeiten. Die Arbeitslosigkeit hat sich seit 2014 kaum verändert – und das, obwohl so viele Ukrainer ausgewandert sind und im Ausland arbeiten.

Oleksandr Vilkul, der Vizevorsitzende des Oppositionsblocks, warf dem Außenminister vor, dass er mit der Zahl von 100.000 Emigranten monatlich nicht ganz die Wahrheit sagte. Jetzt schon hätten 8 Millionen Ukrainer das Land wegen Armut und Arbeitslosigkeit verlassen, um ihre Familien ernähren zu können. Falsch sei auch, dass die Ukrainer nur in die EU zur Suche nach einem besseren Leben emigrieren würden, etwa genauso viele wie in die EU seien nach Russland und die CIS-Länder gegangen.

Die Regierung, so Vilkul, würde von der Massenauswanderung profitieren. Die Regierung müsse keine neuen Jobs schaffen (trotzdem sinkt die Arbeitslosigkeit, könnte man noch hinzufügen). Die im Ausland Arbeitenden schicken Geld an ihre Familien und versorgen das Land mit Devisen. Und “sie können nicht an Wahlen und am aktiven politischen Leben teilnehmen, daher stellen sie keine Bedrohung für die Regierung dar”.

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