Nach fünf Jahrhunderten von Kolonialismus und Plünderung des Planeten steht die Menschheit an einem Wendepunkt. – www.NachDenkSeiten.de

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28. Februar 2018 um 8:02 Uhr | Verantwortlich:

Nach fünf Jahrhunderten von Kolonialismus und Plünderung des Planeten steht die Menschheit an einem Wendepunkt.

Veröffentlicht in: Rezensionen, Ungleichheit, Armut, Reichtum, Wertedebatte, Wirtschaftspolitik und Konjunktur

Heiko Flottau

Ein starker Satz: „Am 25.Januer 2017, wenige Tage nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump, geschahen zwei Dinge: Der Dow Jones Index der New Yorker Börse erreichte unter dem Jubel der Anleger erstmals die Schwelle von 20 000 Punkten. Zugleich zeigten die Zeiger der „Weltuntergangsuhr“ („Doomsday Clock“) auf zweieinhalb Minuten vor zwölf – und damit so nah an Mitternacht heran, wie seit dem Zünden der ersten US-Wasserstoffbombe 1953 nicht mehr.“ Fabian Scheidler, freischaffender Autor, beginnt sein Buch „Chaos – Das neue Zeitalter der Revolutionen“ mit einem Paukenschlag. „Freudentaumel der Anleger“, schreibt Scheidler, und „nahende Mitternacht für die Menschheit“ – deutlicher lasse sich nicht beschreiben, dass sich unser Wirtschaftssystem „auf Crashkurs mit dem Planeten und seinen Bewohnern“ befinde. Eine Rezension von Heiko Flottau.

Vorab: Alles, was Fabian Scheidler auf seinen 331 Seiten beschreibt, ist eigentlich bekannt. Verschwendung der Ressourcen, Wettrüsten, Klimakatastrophe, zunehmende Migration, Entfesselung der Finanzmärkte. Nur – in der Kompaktheit der Darstellung, in einem solchen verdichteten Zusammenhang, welchen der Autor bietet, ist die Bedrohung der Menschheit selten zu lesen.

Der Autor beginnt, historisch vollkommen richtig, mit der, wie er es sieht, „Zweiteilung der Welt“, die mit dem beginnenden Kolonialismus vor 500 Jahren, mit der europäischen „Entdeckung“ der Welt und der anschließenden Besiedlung und Ausbeutung fremder Kontinente begonnen habe. Die Folgen heute seien weitere Ausbeutung zum Beispiel Afrikas und weitreichende Privilegien für die Erben der Kolonisatoren. Europäer und Amerikaner etwa könnten für inzwischen spottbillige Flugpreise, meistens ohne Visum, in alle Ecken der Welt gelangen, während etwa Afrikaner, jedenfalls solche, die nicht den korrupten Oberschichten angehörten, lebensgefährliche Fußmärsche durch Wüstengebiete und noch gefährlichere Fahrten über das Mittelmeer riskieren müssten. Ohne diese Zweiteilung der Welt, so der Autor, könne die „Megamaschine“, wie er die westliche Zivilisation nennt, nicht existieren. Diese Zivilisation beruhe auf der Zweiteilung, in welcher der Süden die Rohstoffe für die Industrie des Nordens liefere.

Freiheit, liberale Weltordnung, wie sie etwa auf der Münchner Sicherheitskonferenz alljährlich propagiert würden,  bedeuteten im Grunde,

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