Parteien am Ende

28-02-18 09:02:00,

Was nutzt alle Häme gegen SPD und Martin Schulz; das Problem der Partei liegt tiefer. Wir sehen das an der Entwicklung anderer sozialdemokratischer Parteien z.B. in Frankreich und in den Niederlanden. Doch es hat auch schon die Demokrazia Cristiana in Italien getroffen und nicht nur Volksparteien. Es handelt sich um eine Systemkrise: Das Modell der politischen Partei aus dem 19. Jahrhundert funktioniert nicht mehr im Zeitalter von Massenmedien und Internet.

Als Karl Benz 1885 das Automobil erfand, existierte die SPD bereits. Die technische Entwicklung seitdem ist in Riesenschritten voran gegangen und doch ist das Automobil mit Verbrennungsmotor jetzt in der Krise und es ist ein Irrtum, zu glauben, dass die Konstruktion einer politischen Organisation nach 150 Jahren immer weiter so funktionieren müsste.

Die traditionellen Parteien Europas organisieren ursprünglich die Interessen einer breiten Schicht der Bevölkerung, etwa der Arbeiter, und verkünden eine Ideologie, welche ihren Anhängern eine bessere Zukunft verspricht. Wer einer Partei beitritt, tut das, weil er diese Ideologie bejaht und dafür Partei ergreift. Die Parteigänger folgten ihrer Partei anfangs ein Leben lang. Heute gibt es zahlreiche Wechselwähler, die den Parteien Kopfschmerzen bereiten.

In den Parteien bestimmen nicht Adelige oder finanziell Privilegierte, Staatsbeamte oder Militärs, was geschieht, sondern es bestimmen höhere Partei-Ebenen, in die jeder aufsteigen kann. Die Mitglieder wählen im Ortsverband Delegierte für eine Parteiversammlung auf Bezirksebene und können dabei selber kandidieren; dann wählt man auf einem Parteitag den Vorstand und der Vorstand bestimmt schließlich die Parteiführung. Die Aufstiegsmöglichkeiten der einzelnen Mitglieder sind unbestritten ein demokratisches Element und haben in 150 Jahren viele Politiker hervorgebracht, die zum Teil von ganz unten kamen.

Zu diesen einflussreichen Partei-Politikern gehörten im 20. Jahrhundert aber auch Diktatoren und einige Verbrecher. Jeder kennt die Namen. So etwas war möglich, weil die Parteien durch ihre Struktur den langsamen Aufstieg einzelner fördern, den Mitgliedern aber von oben ihre Ideologie aufzwingen und auch meistens die Kandidaten für Wahlen aufstellen. So kann aus der Struktur heraus leicht eine Diktatur entstehen.

Einzelne Personen können in den Parteien zwar aufsteigen, neue Ideen und Vorstellungen vom Zusammenleben in der Gesellschaft aber nicht!

Die Ideologie, die eine Partei vertritt, kommt nicht aus dem Kreis der Mitglieder, sondern aus einer höheren Sphäre. Sie kommt nicht einmal von Parteigrößen, sondern meistens von Philosophen und Koryphäen der Geisteswissenschaft, an erster Stelle Karl Marx.

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