Die 5-Sterne-Bewegung aus Italien – ein Schreckgespenst für Europa? – www.NachDenkSeiten.de

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3. März 2018 um 11:30 Uhr | Verantwortlich:

Die 5-Sterne-Bewegung aus Italien – ein Schreckgespenst für Europa?

Veröffentlicht in: Länderberichte, Parteien und Verbände, Wahlen

Preisfrage! Wer oder was ist das? Anti-Establishment, populistisch, basisdemokratisch, direkte Demokratie, postideologisch, Lügenpresse, Querfront, pro Putin und pro Trump, europaskeptisch, Raus aus dem Euro, Anti-Austerität, Bürgereinkommen, Abschaffung der Fernsehgebühren, und das alles garniert mit etwas Postwachstumsphilosophie. Ja richtig. Es handelt sich hier um die 5-Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle, M5S) aus Italien, die bei den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag zur stärksten politischen Kraft des Landes aufsteigen könnte. Inwieweit all die oben genannten Charakteristika tatsächlich auf die Protestbewegung zutreffen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Gleichwohl reicht diese Beschreibung vollkommen aus, um die 5-Sterne-Bewegung zu einem „Schreckgespenst für Europa“ oder zu einer „Bedrohung für den Euro“ zu machen. Ein Gastartikel von Thomas Trares, der sich zur Zeit in Italien aufhält.

Doch wer sind diese 5 Sterne eigentlich wirklich? Ins Leben gerufen wurde die Bewegung in den nuller Jahren von dem Mailänder Informatikmanager Gianroberto Casaleggio und dem Genueser Kabarettisten Beppe Grillo. Die beiden sind schon rein äußerlich ein kongeniales Duo. Beide, über 60 Jahre alt, wirken mit ihrer wilden Haartracht wie zwei Alt-Hippies; insbesondere Casaleggio, den seine Anhänger auch als „Visionär“ oder „Guru“ bezeichnen, erinnert mit seinen langen wallenden Locken stark an den 68er-Kommunarden Rainer Langhans. Casaleggio wurde zum Vordenker der 5 Sterne, Grillo das „Megafon“. Legendär sind die Auftritte des Satirikers auf den „V-Days“ („Vaffanculo-Days“, deutsch: „Leck-mich-am-Arsch-Tagen“), auf denen er wie ein Irrwisch über die Bühne tobt und gegen das System wettert. Der erste V-Day fand 2007 auf dem Piazza Maggiore in Bologna vor rund 50.000 Menschen statt. [1]

Casaleggio und Grillo gelang der Coup, den Wut und den Frust der Bevölkerung gegen das Establishment eine Stimme zu geben. In Italien hatte nämlich die Politik schon viel früher abgewirtschaftet als in anderen Ländern Europas. Bereits in den neunziger Jahren erschütterte der Schmiergeldskandal „Tangentopoli“ das komplette Parteiensystem, in dessen Folge auch die über Jahrzehnte hinweg regierenden Christdemokraten in der Versenkung verschwanden. Dann kam die Ära des Medienunternehmers Silvio Berlusconi, der gleich vier Mal zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, und ansonsten mit dekadenten „Bunga-Bunga-Partys“ und auf seine eigenen Interessen zugeschnittenen Gesetzen auffiel.

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