Ein strategisches Angebot

03-03-18 10:25:00,

Vorab: ich bin nicht in die SPD eingetreten. Dabei hätte ich eine gewisse Übung darin gehabt, denn ich war schon zweimal Mitglied dieser Partei. Meine Familie blickt zudem auf über 100 Jahre durchgehender SPD-Mitgliedschaft zurück. Und als Kabarettist und Liedermacher Prinz Chaos II. trete ich recht oft speziell in Bayern für SPD-Ortsvereine auf.

Auftreten, ok. Aber nochmal eintreten in den Laden? Nach Kosovo, Afghanistan, HartzIV und Co.? Njet. Das kam und kommt für mich nicht in Frage. Auch nicht, um gegen die #Groko zu stimmen.

Wobei der hauptsächliche Hinderungsgrund ein anderer ist: die Koordinaten meines Denkens sind nicht mehr in erster Linie entlang eines angebotenen Parteienspektrums, das keine Landschaft mehr ist, ausgerichtet.

Parteien spielen immer noch eine gewisse Rolle, weil der Staat und Teile der Gesellschaft immer noch so verfasst sind, wie wir das seit einhundertfünfzig Jahren kennen. Aber das Neue, das wir brauchen, um die Welt zu transformieren, wird am Ende doch wesentlich neuer sein müssen, als eine LINKE ohne Streit und mit etwas weniger Opportunismus oder eine SPD, die sich ein bisschen „erneuert“ hat.

Wir benötigen neuartige Organe der Demokratie im 21. Jahrhundert. Es geht um die Emanzipation des Menschen auf Ebenen, die bisher gegen jede Praxis der Selbstorganisation von unten immun geblieben sind. Wir brauchen mehr Demokratie, aber auch eine andere, bessere, prozesshaftere und in massenhaftem Aktivismus gründende Demokratie.

In dieses Rom führen entweder ungezählte Wege aus den verschiedensten Winkeln oder gar keiner. Wir müssen zurück ins Labor, müssen mit neuen Formen der Organisation und der kollektiven Selbstermächtigung experimentieren.

Das Vehikel, mit dem man diesen Weg jeweils befährt, ist im Grunde egal, solange seine spezifischen Eigenschaften dem gemeinsamen Ziel zuträglich sind. Die Innenausstattung der jeweiligen Vehikel gesamtgesellschaftlicher Transformation ist von Bedeutung für die historische Prägung, die von ihnen ausgeht.

Die SPD ist ein Vehikel von unbestreitbarer Grandesse. Eine abgetackelte Fregatte aus einer gusseisernen Zeit, in der die Kunst des Handwerks auf anderen Höhen und die Blüte der Industrie noch bevorstand.

Aber der gute Geist dieser Fregatte ist in grauer Vorzeit entschlafen. Der ohnehin ziemlich morbide Großkutter Deutsche Sozialdemokratie treibt ziellos in einem Meer, das von immer wilderen Wettern zerfurcht wird, die immer öfter den Boden unter den Füßen erbeben lassen.

Wer sich jetzt nicht bewegt,

 » Lees verder