Über die Neubesetzung des deutschen Forschungsministeriums

04-03-18 03:18:00,

Wissenschaftspolitik als Spielball der Parteipolitik

Nun wird sie also kommen, die große Koalition in Deutschland, die Neuauflage einer Regierung, die gute Chancen hat, erfolgreicher zu sein, als ihr Ruf glauben lässt. Damit findet auch das übliche Postengeschacher sein Ende, das einer neuen Regierungsbildung immer vorangeht. Die Vergabe von Ministerien ist nur allzu oft das Ergebnis politischer Ränkespiele, in denen die Wichtigkeit der verschiedenen Ämter für die politische Gestaltung der nächsten vier Jahre gegenüber ihrer Funktion als politische Verfügungsmasse für die innerparteiliche Personalplanung in den Hintergrund tritt.

Besonders deutlich trifft diese Aussage dieses Mal für die Besetzung der Führungsposition des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zu. Hier könnte der Kontrast zur bisherigen Amtsinhaberin größer nicht sein.

Johanna Wanka war Professorin für Ingenieurmathematik, ehemalige Hochschulrektorin und bekleidete vor ihrer Nominierung als Bundeswissenschaftsministerin die gleiche Funktion in der brandenburgischen sowie niedersächsischen Landesregierung. Dazu war sie Präsidentin der Kultusministerkonferenz, also ein echter Profi sowohl im wissenschaftlichen als auch im politischen Betreib.

Und nun geht der höchste Posten der Wissenschaftspolitik an Anja Karliczek, eine ausgebildete Hotelkauffrau ist, die mit dem Thema Wissenschaft und Bildung bisher aber auch rein gar nichts zu tun hatte (außer dass sie drei Kinder großzog). Forscher und Bildungspolitiker reiben sich verwundert die Augen. Den Hochschulbetrieb kennt Frau Karliczek im wörtlichen Sinne nur aus der Ferne: Sie absolvierte ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fern-Universität in Hagen.

Man vergleiche nur mal das Thema ihrer Diplomarbeit (Die steuerliche Vorteilhaftigkeitsanalyse zur Auslagerung von Pensionsverpflichtungen aus Arbeitgebersicht – welche ihr so bedeutend erscheint, dass sie es unter “Persönliches” auf ihrer Kandidaten-Website aufführt) mit der Wankas (Räumliche Randwertaufgaben der Potentialtheorie mit Koppelungsbedingungen). Nun sind Titel akademischer Arbeiten nicht immer allzu aussagekräftig, aber in diesem Fall muss man sich doch wundern, welche Qualifikationen die neue höchste Wissenschaftspolitikerin für ihr Amt mitbringt. Sie würde ja selber wohl auch keinen theoretischen Physiker oder eine Neurobiologin ihr Hotel führen lassen.

“Großes Herz für die Wissenschaft”

Nun kann die Bedeutung der Wissenschafts- und Bildungspolitik für die Zukunft unserer Gesellschaft, unserer intellektuellen und ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit, unseres Wohlstandes und nicht zuletzt für die Einschätzung möglicher gefährlicher technologischer Entwicklungen, wie neue Gen-Editerungsverfahren, die Entwicklung einer mächtigen Künstlichen Intelligenz, Nanotechnologien, Big-Data-Überwachungsalgorithmen und viele andere gar nicht überschätzt werden, wie ich das immer gerne betone.

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