Die Natur des Krieges

06-03-18 10:30:00,

Zunächst einmal möchte ich zu vermitteln versuchen, was unter dem Begriff „Trauma“ zu verstehen ist. Allgemein stellt der Traumabegriff ein Synonym für eine Verletzung dar. In der Psychologie bedeutet Trauma dagegen eine seelische Verletzung, wobei die Seele als Synonym für die menschliche Psyche verstanden wird. Eine seelische Verletzung ist gleichzusetzen mit einer starken psychischen Erschütterung und wird daher oft als Psychotrauma bezeichnet, das wiederum als Ursache der meisten psychischen Störungen genannt werden kann. So wurden zum Beispiel schlimme Kriegserfahrungen von Soldaten als Ursachen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erkannt.

Bereits Erich Fromm hatte in einigen seiner Werke darauf hingewiesen, dass traumatische Erlebnisse destruktives Verhalten mobilisieren können, zum Beispiel:

„Es ist nicht die menschliche Natur, die plötzlich zum Vorschein kommt, sondern das destruktive Potential, das durch gewisse permanente Bedingungen genährt und durch plötzliche traumatische Ereignisse mobilisiert wird“ (1).

Und sogar Freud, der „Erfinder“ der Psychoanalyse, konnte schon eine rudimentäre Erklärung des Traumabegriffs liefern:

„Zum psychischen Trauma wird jeder Eindruck, dessen Erledigung durch assoziative Denkarbeit oder motorische Reaktion dem Nervensystem Schwierigkeiten bereitet“ (2).

Der Traumaforscher Franz Ruppert erklärt den Traumabegriff so:

„Viele Beispiele aus meiner therapeutischen Tätigkeit belegen, dass ‚Krankheiten‘ keinesfalls nur schicksalhaft, altersbedingt oder Ausdruck ‚schlechter Gene‘ sind. Sie sind bei näherem Hinsehen das Ergebnis von Lebenserfahrungen, die wir psychisch nicht verarbeiten konnten. ‚Krankheiten‘ sind die Folgen von Psychotraumata, die sich über unseren Körper ausdrücken müssen. Dies zeigt sich in den therapeutischen Gruppen, in denen ich mit der Anliegenmethode und dem Aufstellungsverfahren arbeite, immer wieder aufs Neue“ (3).

Die amerikanische Psychiaterin Judith Herman, Professorin für klinische Psychologie an der Harvard Medical School, schreibt über das Trauma:

„Die systematische Erforschung psychischer Traumata braucht die Unterstützung einer politischen Bewegung. Es ist schon eine politische Frage, ob entsprechende Forschungen durchgeführt und in der Öffentlichkeit diskutiert werden können. Die Erforschung von Kriegstraumata ist nur in einem Umfeld legitim, das die Opferung junger Männer im Krieg in Frage stellt. Die Erforschung traumatischer Erfahrungen im sexuellen und häuslichen Bereich ist nur legitim in einem Umfeld, das die Unterordnung von Frauen und Kindern in Frage stellt. Fortschritte gibt es auf diesem Gebiet nur, wenn eine starke politische Bewegung die Wissenschaft unterstützt, indem sie das Bündnis von Wissenschaftlern und Patienten rechtfertigt und den üblichen gesellschaftlichen Prozess der Verdrängung und Verleugnung unterbindet.

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