„Gigantische Fehlkonstruktion“: Westliche Demokratie vor dem Untergang?

06-03-18 05:08:00,

Aus der „Herrschaft des Volkes“ ist ein elitäres Herrschaftssystem geworden. So schätzt der Publizist Wolfgang Koschnick den Zustand der Demokratie ein. Die Eliten nutzen sie geschickt für ihre Interessen und Zwecke aus. Koschnick sieht gegenwärtig keine Alternativen, während andere immer noch davon reden, die Demokratie wieder zu beleben.

Die Demokratie nach westlichem Muster ist dem Untergang geweiht, ist sich der Journalist und ehemalige Unternehmensberater Wolfgang Koschnick sicher. Sie wieder zu beleben, werde nicht gelingen, sagte er im Sputnik-Interview. Koschnick hat 2017 das Buch „Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr“ veröffentlicht. Darin stellt er unter anderem fest, dass das als „Demokratie“ bezeichnete politische System „zu einem elitären Herrschaftssystem verkommen“ sei, das die Reichen immer reicher und die Armen ärmer mache.

Das politische System in allen etablierten Demokratien von den USA über Europa bis hin nach Japan sei „gekippt“ – und mit ihm die Stimmung der Menschen, so Koschnick. Das wird durch aktuelle Analysen bestätigt, wie etwa die „Wiener Zeitung“ kürzlich in ihrer Onlineausgabe berichtete. Aus den Daten des aktuellen World Values Survey geht laut dem Blatt hervor, dass in den vergangenen zehn Jahren der Ruf nach starken Führern, „die keine Rücksicht auf Wahlen oder das Parlament zu nehmen brauchen“, weltweit lauter geworden ist.

Vertrauen in Politik auf historischem Tiefstand

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AFP 2018 / Kay Nietfeld / dpa

Die globale Studie zeigt laut der österreichischen Zeitung, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Parlamente, Regierungen und politische Parteien auf einem historischen Tiefstand ist. Die etablierten Demokratien Westeuropas und der USA werden laut der „Wiener Zeitung“ „von einer stillen Revolte erschüttert: Nicht wenige Wählerinnen und Wähler stimmen für Politiker, die versprechen, das System der liberalen Demokratie zu zerstören.“

Die beiden Politikwissenschaftler Christopher Achen von der Princeton-Universität und Larry M. Bartels von der Vanderbilt Universität appellieren dem Blatt zufolge in ihrem Buch „Democracy for Realists“, etwas gegen die ökonomische und soziale Ungleichheit in der Gesellschaft zu unternehmen, um die Demokratie wieder zu beleben.

Herrschaftssystem mit selbstzerstörerischer Eigendynamik

„Am Anfang ist die demokratische Begeisterung ziemlich groß. Dann erlebt man die Realität und stellt fest, dass in der Wirklichkeit die Szene von Berufspolitikern beherrscht wird und nicht vom Volk.“ So beschrieb Autor Koschnick im Sputnik-Interview seine grundlegenden Erfahrungen,

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