For The Times They Are A-Changing

08-03-18 09:02:00,

In den vergangenen Wochen wurde ich öfters von DiEMistas gefragt: „Elisa, warum gibt es so wenige Frauen in DiEM25?“

Normalerweise fange ich dann an zu stammeln. Ich bin eine Frau, also sollte ich es wissen… Denk Elisa!

Aber weder gibt es eine einzige Antwort auf diese Frage, noch habe ich die Deutungshoheit, sie zu beantworten.

Als aktives DiEM25 Mitglied habe ich in den vergangenen 1,5 Jahren dennoch einige Erklärungen gefunden. So beobachtete ich unsere externe und interne Kommunikation akribisch, unsere thematischen Prioritäten, unsere Sprache, unsere Aktionen und fehlende Aktionen, Meritokratie oder einfach die „Gesellschaft“. Durch dieses Beobachten fand ich Aufschluss. Am meisten aber verstand ich die Gründe für das Fehlen von Frauen in DiEM25 durch meine ganz unmittelbare, persönliche Erfahrung- man könnte sagen, durch meine verkörperte Erfahrung. Meine Erklärungen sind, wie ich bereits sagte, von diesen Erfahrungen informiert, sowie von meinem Hintergrund in sozialer Anthropologie. Sie sind und können darum nur subjektiv sein.

DiEM25 wurde vor zwei Jahren in der Berliner Volksbühne auf die Welt gebracht, wohin wir letzten Mai zurückkehrten. Im Rahmen dieser Veranstaltung war ich in einen „Gender Workshop“ involviert, für welchen wir eine interne Umfrage unternommen hatten. Wir wollten mehr über die Gender Balance in unserer DSC Struktur erfahren. Unsere informelle Schätzung erlangte durch dieses Unterfangen Evidenz: 80%iger Männeranteil. Den Frauenanteil kann sich jede*r selbst errechnen.

Selbstverständlich waren wir – meine Freundin Roberta und ich – uns den Grenzen eines solchen Unterfangens durchaus bewusst. Im Gegenteil lehnten wir dieses Vorgehen sogar ab. Solche Bilder von Realität, die in Prozent gemessen werden können, können ihrem Anspruch nicht gerecht werden. Diversität ist bereits selbst ein Wert. Nun ist es aber so, dass genau diese vermeintlich objektiv messbaren Kategorien – Männer/Frauenanteil, BIP… – unsere Wahrnehmung der Welt strukturieren. Wie kann man also etwas beschreiben, wie Diversität, ohne das nötige Kategorienset zu haben?

Bis dahin müssen wir uns wohl noch mit % begnügen und achtsam mit solchen „80/20“-Angaben umgehen.

Seit dem letzten Treffen an der Volksbühne hat sich aber etwas verändert. Die weibliche Abstinenz ist sehr offensichtlich geworden. Wir diskutieren dieses Thema offen und andauernd und auch die Strategien, die notwendig sind, um das Ungleichgewicht in den Griff zu bekommen. Diese Tatsache ist Teil unseres kollektiven Bewusstseins in der Bewegung geworden.

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