Putin fordert strategische Parität- und Respekt – www.NachDenkSeiten.de

08-03-18 08:21:00,

8. März 2018 um 8:52 Uhr | Verantwortlich:

Putin fordert strategische Parität und Respekt

Veröffentlicht in: Aktuelles, Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Aufrüstung

Ray McGovern

Wladimir Putins Ankündigung neuer Waffensysteme zur Schaffung eines nuklearen Gleichgewichts sei das Ergebnis einer Erosion des Rüstungskontrollsystems durch das unkluge Ausscheiden der USA aus dem ABM-Vertrag im Jahr 2002, erklärt Ray McGovern. Josefa Zimmermann hat den Text für die NachDenkSeiten aus dem Englischen übersetzt.

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Präsident Putins Rede zur Lage der Nation am Donnerstag stellt ein kaum wahrgenommenes Ereignis innerhalb des strategischen Ost-West-Gleichgewichts dar, das nichts Gutes ahnen lässt.

Seine Worte machen deutlich, dass das strategische Gleichgewicht heute prekär ist. Die USA und Russland haben sich einen Schritt rückwärts über die Schwelle der Vernunft bewegt, eine Schwelle, die 1972 von der Vorgängergeneration erstmals in die richtige Richtung überschritten wurde mit der Unterzeichnung des ABM-Vertrages (Anti-Ballistic Missile Treaty).

Inmitten des “Gleichgewichts des Terrors”, das bis 1972 herrschte, beschlossen vernünftige Staatsmänner auf beiden Seiten den ABM-Vertrag und setzten ihn in Kraft. Er garantierte die „sichere gegenseitige Zerstörung” – das durchaus passende Akronym war MAD – wenn eine Seite versuchen sollte, die andere nuklear anzugreifen. MAD klingt vielleicht nicht viel besser als „Gleichgewicht des Terrors“, aber der ABM-Vertrag führte zu einer 30 Jahre andauernden erheblichen Stabilität.

Der Vertrag selbst war das Ergebnis sorgfältiger Verhandlungen mit großem gegenseitigen Verständnis und beidseitigem Vertrauen. Die gewaltige Aufgabe, die uns als Geheimdienstspezialisten herausforderte, bestand darin, Präsident Nixon zu versichern, dass wir im Falle seiner Zustimmung die Einhaltung des Vertrages durch die Sowjetunion überwachen und etwaige Verstöße umgehend melden würden. (Übrigens haben die Sowjets tatsächlich betrogen. Mitte 1983 entdeckten wir eine riesige Frühwarn-Radaranlage in Krasnojarsk in Sibirien – ein klarer Verstoß gegen den ABM-Vertrag. Präsident Reagan wies sie darauf hin und die Sowjets rissen sie schließlich ab.)

Während der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über den ABM-Vertrag war ein Drittel der Mitarbeiter der CIA-Abteilung für sowjetische Außenpolitik, die ich damals leitete, in verschiedenen Funktionen anwesend. Ich selbst war am 26. Mai 1972 in Moskau, als der Vertrag von Präsident Richard Nixon und dem Generalsekretär der KPdSU Leonid Breschnew,

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