Heilsamer Respekt

09-03-18 11:44:00,

Wie erleben wir unseren Körper? Empfinden wir ihn als Freund? Passt er uns so, wie er ist? Oder ist er uns zu groß, zu klein, zu dünn, zu dick? So richtig zufrieden sind wir mit ihm eigentlich nie. Dementsprechend behandeln wir ihn entweder mit Strenge oder mit Nachlässigkeit.

Unsere Beziehung zu ihm ist eher distanziert, und oft haben wir zu unserem Auto eine engere Bindung. Unser liebstes Objekt sagt viel über uns.

Wir gehen etwa so durch das Leben, wie wir Auto fahren:

  • Zurückgelehnt, einen Ellenbogen lässig im Fenster oder die Hände ums Steuer gekrampft und den Sitz ganz vorne?
  • Auf der Überholspur, hinter Lastwagen klebend oder vorsichtig immer in der Mitte? Auf andere Autofahrer schimpfend oder gelassen Musik hörend?
  • Mit aufheulendem Motor und quietschenden Reifen oder mit stotternden Gängen?
  • Die Augen mehr im Rückspiel als nach vorne gerichtet?
  • Dicht auf den anderen auffahrend oder Abstand lassend?
  • Jetzt komme ich oder bloß niemanden behindern?
  • Geben wir bis zum Anschlag Gas und fahren so schnell wie möglich an das Hindernis heran, um dann abrupt abzubremsen, oder gucken wir vorher, was vor uns los ist?

Unsere Art und Weise, durchs Leben zu gehen, spiegelt sich in unserem Verhalten als Autofahrer.

Doch während der stotternde Motor unseres Fahrzeugs alle Aufmerksamkeit von uns bekommt, interessieren wir uns oft nicht besonders dafür, was in unserem Körper eigentlich passiert.

Wenn unser Fahrzeug kaputt ist, bringen wir es in die Werkstatt und bezahlen eine Menge Geld dafür. Geben wir uns dann damit zufrieden, wenn der Mechaniker nur das Kabel des Alarmzeichens durchtrennt – oder erwarten wir von ihm, dass er sich für die Ursache des Problems interessiert? Und wie ist es, wenn wir zum Arzt gehen?

Eine der großen Errungenschaften unserer Gesellschaft ist es, dass jedem von uns eine weitgehend kostenlose ärztliche Versorgung zusteht, die von der Gemeinschaft finanziert wird. Wir lassen uns von oben bis unten durchchecken, um Funktionsfehler zu finden, aber die Ursachen interessieren weder die Medizin noch uns besonders.

Wenn es darum geht, sich mit dem zu beschäftigen, was hinter der Karosserie steckt, knausern wir gerne herum. Vielleicht investieren wir in ausgewogene Ernährung und achten auf unsere Linie,

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