„Sämtliche synthetischen Gifte in der Landwirtschaft gehören verboten“ – www.NachDenkSeiten.de

11-03-18 11:43:00,

11. März 2018 um 11:30 Uhr | Verantwortlich:

„Sämtliche synthetischen Gifte in der Landwirtschaft gehören verboten“

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Interviews, Lobbyismus und politische Korruption, Schadstoffe, Umweltpolitik

Timm Koch

Rund 35.000 Tonnen Pestizide gelangen pro Jahr in Deutschland auf die Äcker. Viele Insektizide sind langwirkend und töten Insekten auch noch nach Montaten oder gar Jahren. Darauf verweist Timm Koch im Interview mit den NachDenkSeiten. Koch, der sich als Imker intensiv mit Bienen auseinandersetzt, führt im Interview aus, wie wichtig diese Insekten für Mensch und Natur sind und erzählt von einem Treffen bei Bayer Crop Science in Monheim am Rhein. Für den Philosophen und Autor war die Begegnung mit Mitarbeitern des Chemiekonzerns eine „Reise nach Absurdistan“. Der Politik wirft Koch vor, von den „Agrarkartellen gnadenlos gekapert“ worden zu sein. Das Interview führte Marcus Klöckner.

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Herr Koch, der Titel Ihres Buches heißt „Herr Bien und seine Feinde“. Was meinen Sie mit „Herr Bien“?

Die Idee, das Bienenvolk mitsamt seinen Waben als Einwesen, also eine Art Superorganismus, zu betrachten, der mit Schwarmintelligenz agiert und sogar in der Lage ist, seine „Körpertemperatur“ zu regeln, ist nicht neu. Bereits im Jahre 1869 veröffentlichte der Imker und Tischler Johannes Mehring ein Buch zu dem Thema. Titel: Das neue Einwesensystem als Grundlage zur Bienenzucht. Dieses Einwesen nennt man seither den Bien. Den Zusatz Herr wählte ich, weil der Bien sicherlich in herrschender Position auf unserem Planeten agiert. Gemeinsam mit den anderen Bestäuberinsekten bietet der Bien eine „Serviceleistung“ an, auf die sich im Laufe der Jahrmillionen etwa zwei Drittel aller unserer Pflanzenarten eingelassen haben. Bei Insektenbestäubung wird, im Gegensatz zur Windbestäubung, wenig dem Zufall überlassen. Je besser die Bestäubungsleistung, desto mehr Pflanzenarten lassen sich darauf ein und desto mehr hat unter anderem unser Herr Bien am Ende zu fressen. Bestäuberinsekten wie die Bienen prägen in beispielloser Weise das Leben auf der Erde.

Sie haben eine Vorliebe für „fleißige, sanftmütige Sexmuffel“. So steht es zumindest in Ihrem Buch. Was um Himmels willen meinen Sie damit?

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