Mit „Fake News“ in den Krieg

16-03-18 11:03:00,

Anlässlich der Verleihung des Kölner Karlspreises für Engagierte Literatur und Publizistik an Ken Jebsen am 14. Dezember 2017 in Berlin hielt Klaus Hartmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, folgende Rede:

Liebe Preisverleihungsgäste,

eine Vorbemerkung: Was den Appell des letzten Spontanredners (David: „wir sind doch bei einer Preisverleihung, das ist doch ein freundlicher Akt, da zieht man sich schick an“) angeht: Mit dem schick Anziehen habe ich mich etwas bemüht; was den Vorredner angeht: Die Tonlage (der Jazzklarinette) treffe ich natürlich nicht. Aber, wer mich kennt, weiß, ich treffe ohnehin selten den richtigen Ton.

Mir wurde aufgegeben, ich soll etwas über „Fake News“ erzählen. Das hat in diesen Tagen natürlich Konjunktur. Andererseits soll es dabei darum gehen, ob es sich bei der Gegnerschaft gegen die „Fake News“ um einen Kampf um die Wahrheit handelt.

Ich muss sagen, das Wort steht in einer Reihe mit dem, was schon einmal ein paar Tage vorher zum „Unwort des Jahres“ erkoren wurde, von einer ehemals sprachkritischen Jury, nämlich der „Lügenpresse“. Was uns ja eingeträufelt wird: Dass man es nicht benutzen kann oder darf, weil es ein „rechtes Wort“ sei. Ich beziehe mich lieber auf Eckart Spoo, der meinte:

“Die Presse muss einfach aufhören, zu lügen. Und ich lasse mir dieses wahre, dieses allzu wahre Wort nicht verbieten.”

Und genauso geht es uns jetzt mit den „Fake News“, was ja eigentlich eine merkwürdige Veranstaltung ist, dieser „Anglizismus des Jahres 2017“. Dafür hatten wir vorher schon mal klare Begriffe, die hießen, glaube ich, Falschmeldung oder auch Desinformation. Warum es jetzt so neu erfunden werden musste? Wahrscheinlich weil es „cool“ klingt – und wahrscheinlich auch, weil damit bestimmte Absichten verbunden sind.

Und die Absichten, die damit verbunden sind, richten sich – wenn ich mal so offen sein darf – eigentlich massiv gegen uns, weil die Europäische Union im September 2015 eine „Arbeitsgruppe zur Verfolgung und Analyse von aus Russland nach Europa strömenden Desinformationen“, eine „East Strat Com Task Force“ eingerichtet hat. Da die aus Russland kommenden Nachrichten, und das ist jetzt ein Zitat „hier für Unruhe sorgen und Zweifel an der etablierten Politik säen sollen“, haben sie auf ihren eigenen Homepages dazu veröffentlicht.

Ja, was für ein Skandal! Wo kommen wir dahin: Unruhe!

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