ARD im Tiefschlaf: Das seltsame Desinteresse an einer Aufklärung der Maidan-Morde

19-03-18 01:28:00,

Schild mit Schussloch, Kiew, 20.2.2014. Bild: Mstyslav Chernov/Unframe/CC BY-SA-3.0

Indizien und Zeugen, die auf eine westliche Scharfschützen-Operation deuten, werden in der Berichterstattung weitgehend ignoriert. Die ARD wiegelt ab oder berichtet überhaupt nicht

Die Scharfschützenmorde bei den Kiewer Maidan-Protesten Anfang 2014 waren ein weltpolitischer “Game Changer”. Sie ermöglichten den hastigen Machtwechsel hin zu einer pro-westlichen Regierung, was wiederum die Ukraine-Krise auslöste, inklusive des russischen Krim-Anschlusses und eines neuen Kalten Krieges zwischen Washington und Moskau. Seither wird wieder von einer “Ostflanke” der NATO gesprochen, ganz so, als sei ein großer Krieg mit Russland im Bereich des Denkbaren.

Die gängige Betrachtung des Konflikts fußt auf der Annahme, in der Ukraine habe eine selbstbestimmte Revolution stattgefunden, in deren Verlauf die Bürger erfolgreich einen übergriffigen, gewalttätigen Herrscher gestürzt hätten. Im Kern stützt sich diese Sichtweise auf die These, die Scharfschützen, die am Morgen des 20. Februar 2014 ein Blutbad mit mehr als 50 Toten richteten, hätten irgendwie mit diesem Herrscher (Janukowitsch), wenn nicht sogar mit Moskau (Putin) in Verbindung gestanden.

In der Tagesschau wurde diese bis heute gängige Sichtweise bereits am Abend des Tattags in suggestiven Bildern verbreitet. Zu sehen waren schießende Spezialeinheiten der Regierung sowie schießende Demonstranten, die sich auf der Straße gegenüber standen. Im begleitenden Text der Reporterin hieß:

Demonstranten unter Beschuss von Heckenschützen, Regierungsgegner, die sich verteidigen und ihre Opfer bergen, stundenlange Schusswechsel – die Lage auf dem Maidan ist völlig außer Kontrolle geraten. (…) Nachdem die ukrainischen Einsatzkräfte nun auch noch mit Schusswaffen für einen sogenannten Anti-Terror-Einsatz ausgestattet wurden, ist die Angst der Demonstranten vor einem weiteren Sturm auf den Maidan groß. (…) Zur Stunde ist nicht klar, wer das Feuer heute Morgen nach der gestrigen Waffenruhe eröffnet hat.

tagesschau

Diese Beschreibung, verbunden mit den Bildern eines Straßenkampfes, erzeugte eben jenen Eindruck, der bis heute in den Leitmedien vorherrscht: bürgerkriegsähnliche Zustände, bei denen das alte “Regime” mit blutiger Gewalt seine Macht zu sichern versuchte und dabei auch vor einem Massenmord nicht zurückschreckte. Ähnlich verpackte es ein rückblickender Tagesschau-Bericht von ARD-Reporterin Golineh Atai zum ersten Jahrestag der Morde 2015. Auch hier waren wieder die auf der Straße stehenden und schießenden Spezialeinheiten der Regierung zu sehen und es hieß:

Es fallen Schüsse.

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