Die amerikanische Beeinflussungsparanoia

21-03-18 11:32:00,

Mit Cambridge Analytica und Facebook rückt nun neben dem äußeren Feind Russland ein innerer Feind, der den Wahlsieg von Trump erklären und auf böse Beeinflussungen des hilflosen amerikanischen Wählers zurückführen soll

Plötzlich wird Russland aus der führenden Position verdrängt und muss Facebook weichen. Die Firma Firma Cambridge Analytica soll Daten von 50 Millionen Nutzern verwendet haben, um sie mit auf ihr persönliches Profil zugeschnittene Botschaften für Trump zu gewinnen. “Psychographic Profiling” verspricht die Firma, also letztlich ein Konzept für eine erfolgreiche, weil individualisierte Beeinflussung von Menschen, was Politiker, aber auch Unternehmen für ihre Produkte gerne hätten.

Nach Russland, dem Feind von außen, hat man nun auch einen Feind aus dem Innen – wobei Donald Trump den Feind aus dem Innen schon lange mit den Fake-News-Medien und dem Establishment in Washington bzw. dem Tiefen Staat instrumentalisiert hatte. Neben der britischen Firma – die Briten hatten schon mit dem zunächst für die Demokraten gefakten Dossier über Trump eine unrühmliche Rolle gespielt – nun auch der mächtige Facebook-Konzern. Allerdings verwendete die Firma zur Profilierung auch Daten von Twitter und kaufte zusätzlich Informationen über Fernsehgewohnheiten, Flugreisen, Einkaufsverhalten, Kirchenbesuche, Bücher- und Zeitschriftenkäufe etc.

Auch der innere Feind und Strippenzieher als der neue böse Agent entlastet die amerikanische Seele, da nun ein weiterer Schuldiger gefunden wurde, der den an sich guten, aber der Manipulation hilflos ausgesetzten Amerikaner zur Wahl von Trump verführt hat. Nicht nur Trump soll die Arbeit der Beeinflusser-Firma zugute gekommen sein, auch die republikanischen Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz und Ben Carson hatten ihre Dienste in Anspruch genommen, offensichtlich nicht erfolgreich.

Unklar ist freilich, ob Trump selbst den Auftrag für die Social-Media-Kampagne an die Firma gegeben hat. Der Verdacht richtet sich eher gegen die einst schillernde Figur im Hintergrund, den rechtsnationalen Stephen Bannon. Er hatte mit Breitbart News für Trump getrommelt und wurde dann zum Dank in das Wahlkampfteam aufgenommen und schließlich zum Chefstrategen des Präsidenten, bis er Hals über Kopf von Trump gefeuert wurde. So viel zur Loyalität.

Bannon ist auch die Verbindung zum Multimilliardär Robert Mercer, der mit seiner Tochter Rebekah Breitbart News und andere rechte Projekte förderte und viel Geld in Trumps Wahlkampagne investierte, aber auch mit Cambridge Analytica, wo auch Bannon Teilhaber gewesen sein soll, als Geldgeber in Verbindung stand. Rebekah Mercer ist Vorstandsmitglied der Firma und will es auch angeblich blieben.

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