Cambridge ist überall

26-03-18 07:51:00,

Neben der Spur

Schon erschreckend, wie schwach Cambridge Analytica in die neue Ära des Data Mining gestartet ist. Das war ganz klar Kreisliga, das muss besser werden

Cambridge Analytica hat uns ja nun mal ein bisschen enttäuscht. Das soll alles gewesen sein, was die Herren im Nadelstreifenanzug da auf die Wege gebracht haben? Da lacht ja der Zuckerberg! Gerade einmal 50 MIllionen Datensätze aus Facebook gezogen, nur um dann die halbe US-Wählerschaft (nein, eigentlich nicht einmal ein Viertel) mit diesem Quatsch zu überziehen, dass ein New Yorker Pleitier und notorischer Seitenspringer die Rettung der USA sein soll? Da wäre doch viel mehr drin gewesen. Wieso geht denn das so kläglich den Bach runter?

Ausschließlich auf Facebook zu setzen, das irritiert doch schon von Anfang an. Wir hätten wenigstens erwartet, dass die Order History von Amazon mit gehackt wurde. Oder wenigstens noch die Herzschlagdaten von Millionen an Bluthochdruck leidenden US-Bürgern, wenn sie ihre Apple Watch umschnallen und sich monitoren lassen. Das wäre doch schon mal zusammen gewesen. Den Leuten Nachrichten mitzugeben wie “Trump wählen, damit es dem Herzen wieder besser geht und Du nicht andauernd diesen Bücherkram über falsche Ernährung bestellen musst,” das hätte sich vermutlich so gelesen wie:

“Trump isst ordentlich und hat eine gute Pumpe.”

Hoppla, das haben sie ja gesagt. Vielleicht hatte der Laden doch Zugang zu den Daten von Amazon und Apple. So genau weiß man das ja doch nicht. Dann wundert uns allerdings, warum nicht noch mehr mit der ganzen Beeinflusserei erreicht wurde. Das Wahlergebnis war ja doch mehr als knapp und hat nicht einmal für die Popular Vote gereicht.

Für den nächsten Wahlkampf in 2,5 Jahren wird das aber besser laufen. Da werden eine Menge an subtil gesteuerten Aufnahmen mit Trump (nackter Oberkörper, Militärhose) auf einem Pferd in Sozialen Medien gestreut werden. Und das schon gar nicht zufällig. Vielleicht finden sie sich auch in diversen Mails von Slack wieder, die ja jetzt auch von den Chefs ohne Einverständniserklärung ihrer Angestellten durchforstet und gelesen werden dürfen.

Nur ein kleiner Schritt, und die Firmenleitung kann auch ihre Nachrichten in den Mails der Teams – und in deren Namen – unterbringen. So geht Wahlkampf, da muss es weitergehen.

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