Moderne Hexenjagd

27-03-18 08:12:00,

Ich möchte Ihnen gerne kurz aufzeigen, womit ein Bürger im Jahr 2018 rechnen muss, wenn er die offizielle Regierungslinie in Großbritannien infrage stellt. Lassen Sie mich mit folgender Attacke beginnen, die von Großbritanniens beliebtester Website, Guido Fawkes, die sich durch fanatische Regierungstreue auszeichnet, in enger Kooperation mit der Blair-Fraktion des Guardian gestartet wurde.

Trotz des Leitartikels vom Vortag wird in der heutigen Ausgabe eine lächerliche Story unter dem Titel „Zweifel an der offiziellen Salisbury-Version“ lanciert. Der Artikel vertritt einen ähnlichen Standpunkt wie Seumas Milnes (ehemaliger Guardian-Journalist, 2015 von Jeremy Corbyn zum Kommunikationschef der Labour Party ernannt, Anm. d. Übs.), der Parallelen zur Situation rund um die irakischen Massenvernichtungswaffen sieht, und stützt sich auf „Argumente“ aus den „sozialen Medien“, wonach das Nowitschok-Gift aus den Händen einer „nicht-staatlichen Gruppe, möglicherweise von Kriminellen“ stammen könnte. Es wird sogar auf den Blog des notorischen Verschwörungstheoretikers Craig Murray Bezug genommen, der die Behauptung aufstellt, „Israel besitze zweifellos dieselben technischen Kapazitäten zur Herstellung von Nowitschok wie jeder andere Staat“. Eine Quelle wie Murray heranzuziehen, ein Mann, der sich stationär in einer psychiatrischen Einrichtung behandeln ließ, hat in der Redaktion des Guardian für Fassungslosigkeit gesorgt.

Nun trifft es zwar zu, dass ich an einer schlimmen Depression litt und mich für etwa zehn Tage freiwillig im St. Thomas Hospital (keine psychiatrische Einrichtung) behandeln lassen habe, nachdem ich vom Auswärtigen Amt von meinem Posten als Botschafter gefeuert worden war. Damals hatte ich die rechtswidrige Überstellung von Terrorverdächtigen enthüllt und öffentlich, dass die Blair-Regierung auf nachrichtendienstliche Informationen zurückgriff, die durch die Anwendung von Folter gewonnen wurden. Ich habe nie versucht, dies geheim zu halten; ich habe vielmehr in meinem Buch Murder in Samarkand ausführlich darüber geschrieben. Ferner habe ich stets bekannt, mehrmals in meinem Leben ambulant wegen Depressionen behandelt worden zu sein. Und ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich bereits als Zwanzigjähriger erfahren habe, dass ich an einer bipolaren Störung leide.

Dass man jemanden im 21. Jahrhundert wegen einer psychischen Erkrankung stigmatisiert und alle Ansichten des Betroffenen als wertlos abtut, hatte ich nicht für möglich gehalten. Käme jemand innerhalb des erlaubten Meinungskorridors auf die Idee, mit dieser Form der Diffamierung zu arbeiten, würde der Guardian dies in Leitartikeln verteufeln. In Wahrheit erleben wir einen Rückfall in sowjetische Zeiten, als man für wahnsinnig erklärt wurde,

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