Der geplante Atomkrieg

30-03-18 12:32:00,

Mehr als 45 Jahre, nachdem ihn die Veröffentlichung der Pentagon Papers berühmt gemacht und er zugleich den Zorn von Präsident Richard Nixon und seiner Klempner auf sich gezogen hatte, ist Daniel Ellsberg nun aufs Neue in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Erfolgsfilm “The Post” arbeitet einen Teil der Pentagon-Papers-Geschichte auf und zeigt, wie Ellsbergs Entscheidung, die heuchlerische und streng geheime Indochina-Politik der USA offenzulegen, den Verlauf des Vietnamkriegs und der amerikanischen Geschichte maßgeblich beeinflusste. Und kurz vor der Premiere von “The Post” Anfang Januar erfreute sich außerdem Ellsbergs neuestes Buch “The Doomsday Machine: Confessions of a Nuclear War Planner” großer medialer Aufmerksamkeit.

In dem Buch berichtet Ellsbergs von seiner Karriere als Analyst bei der RAND Corporation in den sechziger Jahren, wo er an der Entwicklung der amerikanischen Atomkriegsstrategie beteiligt war. Diese Pläne sahen zwar im Vergleich zu früheren Entwürfen ein kontrollierteres Vorgehen vor, aber Ellsberg war schon bald klar, dass auch sie letztendlich nichts weiter waren als Blaupausen für die völlige Vernichtung unserer Zivilisation. Ellsberg resümiert: “Indem wir uns so gewissenhaft wie obsessiv an einem falschen Problem abarbeiteten und uns einer illusorischen Bedrohung stellten, hatten ich und meine Kollegen bei RAND nicht nur uns, sondern auch andere von den wahren Gefahren abgelenkt, die das Streben unserer Supermacht nach nuklearen Waffen in Wirklichkeit bedeutete – Gefahren, die alles nur noch schlimmer machen und die uns gleichzeitig um die Möglichkeit bringen würden, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen. Obwohl es nicht unsere Intention war (was natürlich keine Entschuldigung ist), machten wir unser Land und die Erde stattdessen zu einem unsicheren Ort.”

Seit den Siebzigern hat sich Ellsberg unermüdlich für die Reduzierung der weltweiten Atomwaffenarsenale eingesetzt, wobei das große Ziel letztendlich ihre völlige Eliminierung ist. Anfang des Jahres unterhielten sich er und ich ausführlich darüber, wie der Öffentlichkeit die von den Kernwaffen ausgehenden Gefahren effektiver vermittelt werden könnten. Das folgende Interview ist eine überarbeitete Abschrift von Teilen unseres weitschweifigen Gesprächs.

John Mecklin: Zunächst einmal die Frage für die wenigen Leute, die Ihr Buch noch nicht gelesen haben: Warum haben Sie es ausgerechnet jetzt geschrieben?

Daniel Ellsberg: Ich entwarf den ersten Teil des Buchs bereits vor vierzig Jahren, gleich nach dem Ende des Vietnamkriegs. Mein Verleger teilte mir dann allerdings mit, dass er nur um die 1.400 Exemplare verkaufen könnte,

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