Israels Botschafter sofort ausweisen!

04-04-18 08:13:00,

Was ist das eigentlich? Da gibt es einen Anschlag auf einen Doppelagenten und dessen Tochter in London. Das Thema beschäftigt die europäische Presse über Wochen hinweg. Es kommt auch ohne belastbare Beweise für die Täterschaft Russlands zu einer diplomatischen Krise quer durch Europa. Sanktionen werden erörtert. Die Journaille ist in heller Aufregung. Steffen Seibert zeigt sich entsetzt, Heiko Maas ist moralisch empört. Vier russische Diplomaten werden ausgewiesen. Ein Boykott der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland wird gefordert und erörtert.

Dann schießt die israelische Armee eine unbewaffnete Demonstration zusammen. 100 Scharfschützen warten hinter einem Erdwall, in sicherer Deckung postiert, bis sich eine Menge von mehreren Zehntausend Palästinensern dem Zaun, der Mauer, jener Grenze nähert, die Israel um Gaza gezogen hat. Auf Kommando wird scharf geschossen. Menschen brechen blutend zusammen. Einzelne werden hunderte Meter vom Zaun entfernt ohne ersichtlichen Grund zur Zielscheibe scharfer Munition. Unter den Toten sind Kinder. Die meisten Toten sind Jugendliche. Israelische Drohnen werfen gleichzeitig Kampfgas – verharmlosend: „Tränengas“ – über der Menge ab.

Als die Menge flieht, und nachdem Hunderte von Kugeln getroffen wurden, rücken israelische Soldaten vor und behindern jetzt auf unglaubliche Weise die Arbeit der Sanitäter. Sie bedrohen diese mit der Waffe, reißen Verletzte von den Tragen, schlagen auf Menschen mit Schussverletzungen ein.

17 Tote durch Gewehrkugeln.

773 Schussverletzungen!

Was für ein Geballer!

Was für ein Gemetzel!

Ein Hinterhalt.

Ein geplantes Massaker.

Die Reaktion darauf ist gemessen an dem „Fall Skripal“ gleich Null. Statt wochenlanger Debatten: Einzelmeldungen. Oder gleich das große Schweigen. Diplomatische Reaktionen: Fehlanzeige. Heiko Maas, der kurz zuvor Israel besucht hat und sich sonst so gesprächig zeigt in seinem neuen Amt: schweigt.

Die 15 Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates appellieren derweil„an beide Seiten“, und zwar: „sich zurückzuhalten“. Frage: wie soll sich jemand dabei zurückhalten, wenn er unbewaffnet aus einigen Hundert Metern erschossen wird?

Wenn in den Medien der NATO-Staaten berichtet wird, dann zumeist mit einer Sprache, die das Geschehene völlig falsch darstellt, verharmlost oder so tut, als wisse man ohnehin nicht so genau, was eigentlich vorgefallen sei.

Unnachahmlich: die Tagesschau!

„Für die Palästinenser war es ein ‚Massaker‘, für Israel der Versuch einer Unruhestiftung. Bei der Aufarbeitung der Gaza-Ausschreitungen mit mehreren Toten wurde es im UN-Sicherheitsrat emotional.“

Aha.

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