Jim Knopf als Leinwandspektakel

04-04-18 03:20:00,

Foto: universal music

Es sei hier gleich entwarnt: Man erkennt die Geschichte und Figuren wieder und selbst das Lummerland-Thema kommt vor. Doch das Kesse, bei dem wir die Puppen schon vor dem geistigen Auge tanzen sehen, verpufft im perfekt arrangierten und von großem Orchester eingespielten Track. Das steht symptomatisch für die ganze Verfilmung durch den Regisseur Dennis Gansel. Die pekuniär üppig ausgestattete deutsche Produktion (25 Millionen Euro ) trumpft mit Scheinrealismus und Bombastik gegen zwei im kollektiven Unbewussten anwesende Vorlagen auf: Michael Endes alterslosen Kinderkosmos zwischen Papp-Buchdeckeln und dessen TV-Adaption der frühen Jahre durch die Augsburger Puppenkiste mit ihren lustig-zappelnden Marionetten und Meereswellen aus Zellophan.

„Lukas der Lokomotivführer war ein kleiner, etwas rundlicher Mann, der sich nicht im Geringsten darum kümmerte, ob jemand eine Lokomotive notwendig fand oder nicht“, lesen wir im Buch. Nur zwei Häuser gibt es auf Lummerland, ein Schloss mit König, zwei Untertanen und eben einen Lokomotivführer, der infolge seiner Tätigkeit kein Untertan sein kann.

Das Original: wie von Zhuangzi inspiriert

Einer der Untertanen, Herr Ärmel trägt einen steifen Hut, wohnt in einem gewöhnlichen Haus und hat keinen bestimmten Beruf. Er geht spazieren und ist einfach nur da. Der zweite Untertan, die runde, gemütliche Frau Waas, betreibt einen Laden für maximal drei Kunden. Für die es dort fast alles gibt: von Lebensmitteln über Eiscreme für Staatsanlässe bis hin zu Reiseandenken. Lummerland und seine Bewohner scheinen vom altchinesischen Spaziergangs-Philosophen und Dichter Zhuangzi inspiriert. Der hielt bloße materielle Nützlichkeit für schädlich und propagierte stattdessen radikale Einfachheit, die uns erst den wahren Reichtum brächte. (Mehr über Zhuangzi im Maiheft von Info3.)

Im Buch ist Herr Ärmel Individualist; auf Zelluloid, gespielt von Christoph-Maria Herbst, ein etwas langweiliger Dandy. Frau Waas, verkörpert von Annette Frier, ist einfach immer nur nett.

Gewagte Kamerafahrten und Kloppereien

Mal abgesehen davon, dass im Film keine der Figuren so gut gepolstert ist, wie von Michael Ende beschrieben, wohl weil es einem international-verkaufsfördernden Konzept, also der Nützlichkeit, widerspricht, meinen die Filmemacher, um genügend einzuspielen, nicht so slow sein zu dürfen, wie es dieser Kinderbuchklassiker und seine Inszenierung auf einer Puppenbühne nun einmal sind. Wir sehen somit das Übliche: gewagte Kamerafahrten und Kloppereien. Lukas, dargestellt von Henning Baum, ist anders als im Buch ein Haudrauf à la Bud Spencer,

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