Brief aus Gaza: „Wie an der Berliner Mauer: Schießbefehl gegen uns Bewohner” – www.NachDenkSeiten.de

10-04-18 09:08:00,

10. April 2018 um 8:40 Uhr | Verantwortlich:

Brief aus Gaza: „Wie an der Berliner Mauer: Schießbefehl gegen uns Bewohner”

Veröffentlicht in: Innere Sicherheit, Israel, Strategien der Meinungsmache

Abed Schokry, 48, studierte in Darmstadt Maschinenbau und promovierte in Berlin. Seit 2007 lebt er wieder in Gaza Stadt. Er ist Vater von vier Kindern und arbeitet als Professor für Qualitätsmanagement und Arbeitsschutz. Er berichtet seinen deutschen Bekannten und Freunden regelmäßig über die Situation im Gazastreifen. So auch hier wieder. Christian Kercher und Thilo Haase haben den Brief an uns weitergeleitet. Danke vielmals. Albrecht Müller.

Wir bringen diesen zweiten Text nach dem gestrigen zu dem Massaker im Gazastreifen: „Nur die Toten finden hier ein besseres Leben.“ – Das Massaker und die blutigen Tage von Gaza. Wir veröffentlichen diese Texte verbunden mit einem schlechten Gewissen. Wir, die für die NachDenkSeiten Verantwortlichen, haben etwas zu lange gebraucht, bis wir auf die Ereignisse im Gazastreifen in der Vor-Osterwoche zu sprechen kamen. Das war kein böser Wille. Wir entschuldigen uns trotzdem für die Verzögerung.

Im Text des Briefes kommt die wachsende Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck. Das ist wohl eine realistische Einschätzung der Situation. Bei der Lektüre von Ilan Pappes „Die ethnische Säuberung Palästinas“ ist mir klar geworden, dass die Palästinenser jede Hoffnung fahren lassen können.

Der Autor des Briefes, Abed Schokry, ist zu bewundern, dass er trotzdem durchhält und dass er offensichtlich ein einigermaßen gesichertes Leben in Deutschland gegen die gewollte Zerstörung seines und seines Volkes Lebensraums im Gazastreifen aufgegeben hat.

Hier also der Brief aus Gaza:

Dr. Abed Schokry

Dr. Abed Schokry

Sehr geehrte Damen und Herrn,

Liebe Freundinnen und Liebe Freunde,

Gaza am 08ten April, 2018

Ich bin verzweifelt und ich bin auch wütend.

Gaza wehrt sich gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen, gegen die völkerrechtliche Abriegelung, die den Gazastreifen zu einem Gefängnis für zwei Millionen Menschen macht. Initiiert wurden die Proteste von verzweifelten Menschen, an denen an beiden Wochenenden jeweils 20 000-30 000 teilnahmen.

Einer der Initiatoren ist der 43 Jahre alte Lehrer Al-Kurd, der anlässlich der alljährlichen Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Palästinenser durch die Israelis bzw.

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