Zur Erinnerung an die Entführung und Ermordung von Aldo Moro und als Hinweis auf aktuelle ähnliche Vorgänge – www.NachDenkSeiten.de

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11. April 2018 um 11:06 Uhr | Verantwortlich:

Zur Erinnerung an die Entführung und Ermordung von Aldo Moro und als Hinweis auf aktuelle ähnliche Vorgänge

Veröffentlicht in: Erosion der Demokratie, Gedenktage/Jahrestage, Rechte Gefahr, Terrorismus

Vor 40 Jahren, am 16. März 1978, wurde der italienische Christdemokrat Aldo Moro entführt und dann nach sechs Wochen Leiden im Versteck ermordet. Für seine Freilassung haben die Offiziellen nichts Entscheidendes unternommen. Dieser Vorgang erinnert fatal an aktuelle Vorgänge. Deshalb sind wir dankbar dafür, dass Stefan Schmitt[*], Psychologe und Beobachter des Zeitgeschehens, in einem bedrückend spannenden Text an jene Vorgänge erinnert. Albrecht Müller.

Im Kern ging es damals wie seitdem immer wieder an verschiedenen Schauplätzen darum, eine Linksverschiebung in der italienischen Gesellschaft und damit die Gefährdung der Macht des Imperiums zu verhindern.

Verbunden mit einem großen Dankeschön an den Autor veröffentlichen wir seine Beschreibung der Vorgänge und Hintergründe:

Wer ist Subjekt, wer ist Objekt?

Die Entführung von Aldo Morovon Stefan Schmitt

  1. In Italien war nach dem 2. Weltkrieg über Jahrzehnte hinweg, ähnlich wie das in der Bundesrepublik Deutschland der Fall war, die Christdemokratie fest mit der Macht verankert. In beiden Fällen war der klerikale und politische Katholizismus eine wesentliche Stütze des Systems. Doch in Italien, wo die verschiedenen Gruppen der Resistenza, mit den vordringenden Alliierten im Rücken, selbst den Faschismus beseitigt hatten, waren von Hause auch die Gewerkschaften und die Kommunistische Partei starke Kräfte. Bei den Parlamentswahlen 1976 erhielt die PCI über 34 % der Stimmen, die Democrazia Cristiana knapp 39 %. Von der Regierungsbeteiligung war die PCI jedoch ausgeschlossen. Aldo Moro, Chef der Christdemokraten, der bereits zwei Mal Ministerpräsident gewesen war, hatte demgegenüber einen mediatorischen Ansatz. Er wollte das Faktum nicht mehr mittragen, dass über ein Drittel der italienischen Bevölkerung vom Einfluss auf die Regierung ausgeschlossen war. Stattdessen strebte er, gemeinsam mit der Führung der PCI, eine `Regierung der Nationalen Solidarität´ an: einen Historischen Kompromiss unter Beteiligung der PCI. Ein solcher Kompromiss sollte den Staat stärken und insbesondere seine Anfälligkeit für Putschversuche von rechts verringern. Der Historische Kompromiss stieß auf heftigen Widerstand innerhalb der Democrazia Cristiana, wie auch außerhalb Italiens. Moros Frau erklärte nach seinem Tod,

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