Gastbeitrag: “eCall” – Der neue Notfallassistent, Überwachung durch die Hintertür | http://www.konjunktion.info

konjunktion.info ·Gastbeitrag von Nomi78 – 9-4-2018

Stellen sie sich vor, sie stehen im Autohaus und bestaunen all die schönen, glänzenden neuen Fahrzeuge. Sie schleichen um ein Auto herum, setzen sich hinein testen und probieren, ob das Gefährt ihren Bedürfnissen entspricht. Ein beflissener Verkäufer eilt herbei und bietet seine Dienste an. Sie nehmen dankend an und der “Freundliche” rattert die komplette Palette der Ausstattung hinunter. Plötzlich fällt der Begriff eCall. Auf Nachfragen ihrerseits erklärt der Verkäufer, das ist ein “Notfallassistent”. Was er ihnen jedoch nicht sagen wird, dass diese Innovation eine ständige Online-Verbindung erfordert. Der Clou ist aber der, dass sie auch noch selbst für ihre rund um die Uhr Überwachung bezahlen dürfen. Denn was anderes ist diese Neuerung nicht.

Mit Wirkung vom 01.04.2018 trat eine neue EU-Verordnung in Kraft, deren Tragweite die wenigsten voll und ganz realisieren. Die Medien berichten nur spärlich darüber und keiner klärt so wirklich auf, was dies für den Autofahrer bedeutet. Datenschützer schlagen Alarm, werden jedoch nicht erhört.

Im Februar 2017 schrieb Jens Blecker bereits auf IK.News einen Artikel über diese neue Errungenschaft. Darin heißt es unter anderem:

Der Minimaldatensatz enthält unter anderem den Unfallzeitpunkt, die genauen Koordinaten des Unfallorts, die Fahrtrichtung (wichtig auf Autobahnen), Fahrzeug-ID, Service Provider-ID und eCall-Qualifier (automatisch oder manuell ausgelöst). Optional ist die Übermittlung von Daten von Bord-Sicherheitssystemen möglich, wie der Schwere des Unfallereignisses und der Zahl der Insassen, ob die Sicherheitsgurte angelegt waren, ob das Fahrzeug sich überschlagen hat usw.

Der ehemalige Vizepräsident von Ford Europa Jim Farley, heute Vizepräsident bei Ford in den USA, plauderte in dem Zusammenhang Brisantes aus:

Wir kennen jeden Autofahrer, der die Verkehrsregeln bricht. Und weil GPS in den Autos ist, wissen wir, wo und wie jemand das tut.

Es gibt schon heute Versicherer, die ihren Kunden gesonderte Tarife anbieten, wenn diese sich bereit erklären eine sogenannte in ihrem Fahrzeug zu installieren. Alle fahr-spezifischen Daten werden in dieser gespeichert und können bei Bedarf ausgelesen werden. Nun mit permanenter Verbindung zum Internet, könnte dies zu jeder Zeit oder unmittelbar bei einem Schadensfall geschehen. Ein kleines Beispiel gefällig?

Herr Mustermann hat von seiner Versicherung eine Benachrichtigung über die neuen Beiträge im Folgejahr bekommen. Das darf doch nicht wahr sein, warum stufen die mich denn jetzt so hoch ein? Auf Nachfragen bei seinem Versicherungsagenten sagt ihm dieser, das hängt mit ihrem Fahrverhalten zusammen. Es folgt eine Aufzählung der Verstöße sowie eine allgemeine Fahranalyse, die darauf schließen lässt, dass Herr Mustermann gern und oft schneller unterwegs ist als es die StVO erlaubt. Nun denkt sich Herr Mustermann, dann wechsel ich halt den Versicherer. Das Problem ist nur die unbedeutende Tatsache, dass in naher Zukunft diese Daten zentral gespeichert werden. Zum Beispiel beim Verband der Versicherer. Herr Mustermann wird es schwer haben eine günstigere Versicherung zu finden, es sei denn, er ändert radikal sein Fahrverhalten oder kauft sich ein Auto, wo selbstständiges Fahren nicht mehr möglich ist.

Angela Merkel sprach 2017 in Argentinien über autonomes Fahren:

Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.