Gesunde bringen keinen Profit

Gesunde bringen keinen Profit

29-04-18 10:04:00,

Jens Spahn wollen derzeit alle auf einen Kaffee treffen. Eine rätselhafte Anziehungskraft scheint von dem Jungdynamiker auszugehen. Sandra Schlensog, Deutschlands agilste Hartz- IV-Empfängerin – jene Dame, die Spahn per Petition aufforderte, einen Monat lang von der Stütze zu leben – hat schon einen Termin: Am 28. April wird der neue Gesundheitsminister sie in Karlsruhe besuchen. Man sieht: Unsere Politiker kümmern sich echt um die Sorgen der kleinen Leute.

Auch Arnold Schnittger wollte Jens Spahn treffen. Anfang April lief er, seinen behinderten Sohn Nico im Rollstuhl vor sich herschiebend, von Hamburg nach Berlin. Eine 1-Mann-Demo, um auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Inspiriert hat ihn hierzu – Sie ahnen es bereits – Jens Spahn. „Als der 66-jährige Fotograf erfuhr, dass Jens Spahn (CDU) zum Gesundheitsminister wird, entschied er spontan, zu dessen Amtssitz zu pilgern“, berichtet „Der Tagesspiegel“. Warum der ganze Aufwand? „Ich möchte ihm meinen Sohn nicht anvertrauen, wenn er alt ist“, sagt Schnittger.

Tut er Deutschlands wahrscheinlich nächstem Bundeskanzler da nicht Unrecht? Jens Spahn hat von Beginn seiner Amtszeit an eine ganze Reihe heißer Eisen angepackt: Den Pflegenotstand erkannte er messerscharf als eines der brennenden Probleme in unserem Gesundheitswesen. Ebenso wie lange Wartezeiten beim Arzt. Des Weiteren forderte er die Krankenkassen auf, ihre Beiträge zu senken. Auch die Wiederherstellung der paritätischen Finanzierung des Gesundheitswesens durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber fällt in seine Schaffensperiode – selbst wenn dies weniger sein Verdienst ist als das der SPD, die diese Entscheidung in einem heroischen Verhandlungsmarathon in den Koalitionsvertrag hineingedrückt hatte.

Also doch der Gesundheitsminister der Herzen? Im Interview mit dem „General-Anzeiger“ verweist Spahn zunächst auf sein eigenes umfangreiches Körperertüchtigungsprogramm und setzt so einen kräftigen Impuls für eigenverantwortungsorientierte Gesundheitsfürsorge. Er fordert Patientinnen und Patienten außerdem auf, einfach weniger ärztliche Versorgung in Anspruch zu nehmen – sicher der Königsweg zu Einsparungen im Gesundheitswesen.

„Unsere hochwertige Rund-um-die-Uhr-Versorgung sollte möglichst nur in Anspruch genommen werden, wenn es auch wirklich nötig ist. Sonst leiden die, die wirklich schnell Hilfe brauchen.“

Als nächstes fordert Spahn – in seiner Altersgruppe offenbar unvermeidlich – mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Viele Arzt-Patienten-Kontakte sind einfache Rücksprachen. Diese Rücksprachen könnten über eine digitale Online-Sprechstunde erledigt werden.“ Meint er damit, Patienten sollten ihrem Arzt einfach mailen, statt ihn durch ihre physische Anwesenheit zu belästigen? Oder geht es in Richtung des ohnehin schon reichlich in Anspruch genommenen „Dr.

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