Verschenktes Erbe

Verschenktes Erbe

15-05-18 10:00:00,

Nach der Lektüre eines Artikels über Rudi Dutschke und die 68er Bewegung und einer Reflexion der eigenen, zugegebenermaßen bescheidenen Kenntnisse über diese Zeit erwuchs in mir der Eindruck einer anderen Welt. 50 Jahre sind zweifelsohne eine unvorstellbar lange Zeit für jemanden, der erst die Hälfte davon auf dieser Erde verbracht hat.

Trotzdem erscheinen die damaligen Forderungen und die radikale Kritik an der bestehenden Gesellschaft wie einem revolutionären Märchen entsprungen und immer mehr entsteht der Eindruck einer verschenkten, ja, gescheiterten Revolution. Wo, so frage ich mich noch jetzt, ist das Erbe, ist die Fortsetzung dieser Zeit, in der radikal die Grundsätze der Gesellschaft sowie ihrer Autoritäten hinterfragt wurden?

Es scheint, als habe sich im direkten Anschluss an das Attentat auf Dutschke der einstmals reißende Strom linker Kräfte in viele plätschernde Bäche gespalten, die sich allesamt einem neuen Feind zuwandten, der viel greifbarer und einfacher zu bekämpfen ist: ihre ehemaligen Mitstreiter. So existiert heute eine kaum überschaubare Anzahl an Strömungen und Bewegungen, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht haben, in leidenschaftlicher Hingabe den Feind im eigenen Lager zu suchen.

Auf der einen Seite gibt es jene, die Anderen absurde Definitionen von Rassismus und Antisemitismus aufzwingen wollen. Damit verbunden sind jene, die pauschal „gegen Nazis und Faschismus“ sind – wobei die Definition dieses Begriffes immer schwammiger zu werden scheint –, die sich aber niemals mit den Gründen der Entstehung des Faschismus auseinandersetzen.

Es ist offenbar einfacher, sich überheblich als besserer Mensch zu fühlen, anstatt dem politischen Gegner die Achtung entgegenzubringen, rationale Argumente austauschen zu können.

Aktivismus zielt damit ganz unpolitisch auf die Aufwertung des eigenen Selbst, nicht jedoch auf tatsächliche Veränderung.

An anderer Stelle beschäftigt man sich lieber mit der eigenen Identität und gibt sich Mühe, mittels Etikettenkleberei eine Abgrenzung gegen Andersdenkende zu erreichen, sich Labels zu verpassen, die unter dem Oberbegriff LGBTQ oder ähnlichen firmieren. Man besinnt sich auf seine eigenen angeblichen Schwächen und Fehler. Damit bestätigt man nur die normative Kraft des Systems, in dem solche Kategorien geschaffen werden müssen, um die Betroffenen, die nicht als „normal“ (was immer das heißen mag) angesehen werden, in ihren Rechten zu bestärken.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl verschiedenster Bewegungen und Vereine, die sich auf Teilprobleme wie die Umwelt, die Handelspolitik der EU oder den Krieg fokussieren.

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