Jenseits der Propaganda

Jenseits der Propaganda

18-05-18 12:55:00,

Frau Fahlbusch, wie kommt man darauf, ausgerechnet nach Syrien zu reisen?

Ich schreibe an einem Roman, und mein Protagonist hat einen syrischen Background. Ich hielt es gar nicht für möglich, dass man jetzt nach Syrien reisen kann. Im Dezember 2017 erhielt ich einen Newsletter vom Magazin „Zeitpunkt“. Darin wurde auf die Reise hingewiesen, und ich hatte spontan das Gefühl, dass ich teilnehmen sollte, also meldete ich mich an, in der Hoffnung, auf dieser Reise etwas mehr über meine Romanfigur zu erfahren. Was dann auch der Fall war.

Was war das für eine Reisegruppe, wer war der Veranstalter?

Der Reiseveranstalter war der Luzerner Anwalt Vital Burger vom „Freundeskreis Schweiz-Iran“, der schon mehrmals in Syrien war. Einige der anderen Reiseteilnehmer kannten Vital Burger schon, im Gegensatz zu mir. Es waren alles „Privatleute“, welche die Reise aus persönlichem Interesse unternahmen, keine Journalisten, keine Vertreter von Hilfswerken, keine Geschäftsleute. Wir hatten alle den Wunsch, uns selbst ein Bild von dem Land zu machen, von dem wir hier immer nur hören und sehen, dass es in Schutt und Asche liegt. Die meisten Reiseteilnehmer waren Leute im beruflichen Ruhestand, zum größten Teil aus der Schweiz, zwei aus Südtirol und vier aus Deutschland. Die älteste Teilnehmerin war 84 Jahre alt.

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Hatten Sie keine Angst, in ein Kriegsland zu reisen?

Ich persönlich hatte nicht das Gefühl, viel zu riskieren. Allerdings wurde mir etwas mulmig, als im Februar erneut Angriffe aus Israel gemeldet wurden und überall zu lesen war, Syrien sei derzeit der gefährlichste Platz auf Erden. Ein Treffen mit Vital Burger und der Gruppe einige Wochen vor der Reise überzeugte mich davon, dass er gut Bescheid weiß und keine unverantwortlichen Risiken eingeht. Außerdem ist er Helikopterpilot. Das fand ich sehr beruhigend.

Bei mir entstand zu dieser Zeit auch der Eindruck, dass es hierzulande vielleicht gar nicht gewollt ist, dass Europäer oder überhaupt „Westler“ nach Syrien reisen und Dinge sehen, über die hier nicht berichtet wird.

Wie kommt man im Land mit Einheimischen in Kontakt?

Die Einheimischen kamen mit uns in Kontakt. Die Leute dort sind herzlich und gast-freundlich und freuten sich sehr, wieder Touristen im Land zu sehen. Für sie ist es ein Zeichen dafür, dass es aufwärts geht. An manchen Orten waren wir eine richtige Attraktion – offenbar waren wir seit Jahren die erste „offizielle“ Reisegruppe aus Europa,

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