Parallele Realitäten in Venezuela

Parallele Realitäten in Venezuela

21-05-18 08:47:00,

Blick in ein Wahllokal in Caracas. Bild: H. Neuber

Wie sich die Berichterstattung über die Krise und die heutige Wahl in dem südamerikanischen Land von der Lage vor Ort unterscheidet

Auf fassendengroßen Plakaten schaut der Kandidat über die venezolanische Hauptstadt Caracas. “¡Dolarización Ya!” steht unter dem Bild von Henri Falcón, “Dollarisierung jetzt!”

Der ehemalige Vertraute von Hugo Chávez, dem 2013 verstorbenen Ex-Präsidenten und Begründer der Bolivarischen Revolution, trat an diesem Sonntag gegen den Chávez-Nachfolger Nicolás Maduro an. Es war eine Präsidentschaftswahl im Ausnahmezustand: Das Land erlebt eine Hyperinflation mit derzeit über 13.000 Prozent, Hunderttausende haben Venezuela in der Krise verlassen, weite Teile der Bevölkerung sind auf Nothilfen angewiesen.

Zugleich hat die Einflussnahme aus dem Ausland auf die venezolanische Politik mit dem Ziel eines Regime-Change ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Das bedeutet auch: Egal wer die Wahl heute gewinnt, er wird es nicht nur mit einer der schwersten Krisen in der jüngeren Geschichte des Landes zu tun haben, sondern national und international um Anerkennung kämpfen müssen.

Nach dem vorläufigen Endergebnis gewann Maduro mit 67,7 Prozent, während auf Henri Falcón 21,2 Prozent der Stimmen kamen.

Statt die Gunst der Stunde zu nutzen, ist die Opposition tiefer zerstritten denn je. Während Falcón, ehemaliger Militär, Gouverneur und Bürgermeister, von drei Parteien unterstützt antritt, boykottiert die radikalrechte Opposition die Wahl. Unterstützt werden diese Kräfte von den USA, der Europäischen Union, Kanada und einer Reihe lateinamerikanischer Staaten.

Luis Romero von der 2012 gegründeten Partei Progressive Vorhut (Avanzada Progresista, AP) des Kandidaten Falcón bedauert das. “Unser einziger Ausweg aus dem Problemen des Landes kann nur ein demokratischer Weg sein, der Weg der Wahlen”, sagt er. Den aus dem Ausland unterstützten Weg des Wahlboykotts lehnt er klar ab: “Die radikale Opposition will Venezuela offenbar zugrunde richten, um dann auf den Ruinen des Landes eine neue Regierung zu errichten”, so Romero, dessen Lager einen schweren Stand hat: Viele internationale Medien haben Falcón lange schlichtweg ignoriert.

Propaganda statt Analyse von Problemen

So berichtete die ARD unlängst zur besten Sendezeit, dass die Regierung Maduro “jeden namhaften Gegenkandidaten, jeden politischen Gegner ausgeschaltet hat”. Solche Fake News zeigen ein zentrales Problem im Umgang mit Venezuela: Zahlreiche Journalisten, selbst solche, die sich in der Region auskennen sollten und spanisch sprechen,

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