Kommentar zur Datenschutzgrundverordnung: Das war erst der Anfang

Kommentar zur Datenschutzgrundverordnung: Das war erst der Anfang

28-05-18 09:05:00,

Die neuen EU-Datenschutzregeln und die Reaktionen darauf bewegen die Gemüter: Ein „Blogsterben“ ist im Gange, ganze Kinderscharen fliegen bei den kommerziellen Anbietern raus, überall lauern neue Klick-Zumutungen und wir in der Redaktion von netzpolitik.org haben unseren Twitter-Redaktions-Account (alternativ: Mastodon) vorübergehend eingebüßt. Natürlich ist es um jedes einzelne Blog schade, was dichtmacht, selbst wenn es vielleicht nur wenige Leser hatte oder nur mehr für Recherche vergangener Diskussionen angeklickt wurde. Enno Park hat viele solcher Blogs zusammengetragen. Liest man die Antworten unter dem Tweet, mit dem Park eine Art Umfrage begann, bemerkt man allerdings auch, dass recht viele der „Blog-Abschalter“ die Schließung nur temporär vorhaben oder schlicht gerade keine Zeit oder kein Interesse am Umstellen haben. Den Kommentaren zufolge war die EU-Datenschutzgrundverordnung für viele eher ein Anlass, mal wieder über ihr Blog und über die Daten der Leser nachzudenken.

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Nun könnte man sagen: Meine Güte, hatten doch alle jahrelang Zeit, sich umzustellen. Aber die Wahrheit ist wohl, dass kaum jemand rechtzeitig begonnen hat und auch erst ziemlich kurz vor Toreschluss die Anleitungen, Hilfeseiten und allerhand technische Werkzeuge aufpoppten. Und Menschen, die nicht Deadline-orientiert arbeiten, sind ohnehin suspekt.

Jammern und Barmen

Aus den Unternehmen und Datenkonzernen ist allerdings weniger Jammern über die neuen Regeln zu hören. Hier dürfte etwa der Rauswurf vieler Jugendlicher schon länger vorbereitet gewesen sein, schließlich muss eine solche Maßnahme technisch vorbereitet werden. Wenn man die Teenager dann nicht vorab informiert, sondern sie am Stichtag wortkarg rauswirft, ist das kein Versuch einer Lösung, sondern ein absichtlicher Tritt gegen das Schienbein. Immerhin schafften es ja einige kommerzielle Dienstleister, anstehende Änderungen für Nutzer oder ihren Abschied vom europäischen Markt vorab anzusagen.

Wer als großer kommerzieller Anbieter massenweise und ohne Warnung Jugendliche vor die Tür setzt, der beweist wohl eher, dass er taktisch handelt und in Jugendlichen und Kindern erst ein Geschäft sieht, wenn sie Geld in der Tasche haben, oder nicht die Kompetenz hat, mit den neuen Regeln konform zu gehen. Wahrscheinlich wird das ähnlich wie beim Steuerrecht oder beim Umweltrecht laufen: Die Schlupflöcher müssen erst gefunden, dann können die Daten der Schäfchen dahin verschoben werden.

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