Fall Babtschenko: Die Bürger genießen im Zeitalter der Inszenierung keinen Medienschutz – www.NachDenkSeiten.de

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01-06-18 07:03:00,

Fall Babtschenko: Die Bürger genießen im Zeitalter der Inszenierung keinen Medienschutz

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Wenn die Vortäuschung des Mordes an dem russischen Journalisten Arkadi Babtschenko eine Übung in Medienkompetenz war, dann sind viele deutsche Redakteure durchgefallen – besonders der Berufsverband DJV hat sich erneut als journalistisch unseriöse und besonders forsche antirussische Stimme hervorgetan. Spätestens nach der Episode Babtschenko sollte klar sein: Ein medialer Schutz vor politischen Kampagnen und so aufwendigen wie durchschaubaren Inszenierungen existiert nicht. Die Bürger sind in dieser Hinsicht auf sich allein gestellt und müssen sich dementsprechend mit Medienkompetenz wappnen. Von Tobias Riegel.

Die Vorgänge um den in der Ukraine zunächst als ermordet gemeldeten und wenig später Pressekonferenzen gebenden russischen Journalisten Arkadi Babtschenko waren nicht nur wahrhaft erstaunlich. Sie waren auch eine öffentliche Übung in Medienkompetenz für deutsche Redakteure. Dabei sind sie krachend gescheitert, und zwar gleich doppelt: Nicht nur wurde der angebliche Mord am „Kreml-Kritiker“ umgehend und mehr oder weniger offensiv dem russischen Staat angelastet. Zusätzlich wird nun nach Babtschenkos „Auferstehung“ die dubiose Version der Geschehnisse, die der ukrainische Geheimdienst verbreitet, teils kritiklos, teils mit unverhohlener Bewunderung ob des „filmreifen Coups“ als real anerkannt. Es mischen sich aber auch, das ist positiv und bemerkenswert, selbst bei der „Bild“-Zeitung Zweifel und Vorsicht darunter. In all dem offenbart der Deutsche Journalistenverband (DJV) eine besonders skandalöse und naive Berufsauffassung.

Die Bürger wurden in jüngster Vergangenheit Ziel von aufwendigen, kaum kaschierten und in ihrem Charakter irreal schillernden Inszenierungen – der Fall Babtschenko reiht sich dort ein. Journalisten müssten sich diesem Phänomen eigentlich durch einen Lernprozess anpassen und Skepsis und Geduld entwickeln, wenn sie ihrer anmaßenden Selbstdefinition, Schutzschild für die Bürger zu sein, gerecht werden wollten. Zumal sie das eigene Hereinfallen auf Inszenierungen nicht als bewusste Unterstützung von politischen Kampagnen darstellen, sondern als Verkettung von „bedauerlichen Fehlern“.

Doch es ist mittlerweile zweitrangig, ob das mediale Versagen bei der Analyse von dubiosen Kampagnen individuelle Unfähigkeit ist oder eine konzertierte Aktion: Für die Bürger bleibt die Erkenntnis, dass sie von den großen deutschen Medien keinen Schutz vor geopolitischer Manipulation mehr erwarten können – sie werden schnöde im Stich gelassen. Das hehre Selbstverständnis der großen Medien mag sich schon lange als hohle Phrase offenbart haben – da viele Medien aber weiterhin lautstark auf ihre Rolle als angebliche Aufklärer pochen,

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