Wenn Banken plötzlich grundehrlich sind

Wenn Banken plötzlich grundehrlich sind

05-06-18 09:00:00,

Christian Müller / 05. Jun 2018 –

Die meisten Banken bieten sich als Dienstleister an – was immer sie dann auch machen. Die eine Bank sagt es deutsch und deutlich.

«Die meisten von uns verdienen ihr Geld mit eigener Arbeit. Bei Kapitalanlagen arbeitet Ihr Geld für Sie, es vermehrt sich und ermöglicht Ihnen, ein Vermögen aufzubauen.»

Noch einmal:

«Die meisten von uns verdienen ihr Geld mit eigener Arbeit. Bei Kapitalanlagen arbeitet Ihr Geld für Sie, es vermehrt sich und ermöglicht Ihnen, ein Vermögen aufzubauen.»

Die Bank, die nicht nur so denkt, sondern dies auch so sagt und schreibt, verdient einen Award. Die zwei kurzen Sätze erklären perfekt, wie der Kapitalismus funktioniert.

1. «Die meisten von uns verdienen ihr Geld mit eigener Arbeit.» Ja, so ist es. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung, ob in Europa oder anderswo, braucht Geld, um zu leben, und verdient dieses ihr notwendige Geld mit eigener Arbeit, als Landwirt, als Handwerker, als Lehrerin, als Arzt, wie auch immer. Das war so in der Vergangenheit und ist so auch heute noch.

2. «Bei Kapitalanlagen arbeitet Ihr Geld für Sie, es vermehrt sich und ermöglicht Ihnen, ein Vermögen aufzubauen.» Ist man privilegiert und hat Kapital, muss man nicht mehr arbeiten. Dann «arbeitet» das Kapital. Das Kapital «arbeitet» sogar deutlich effizienter als wir Arbeitenden, denn das Geld «vermehrt sich» und man kann damit sogar ein Vermögen aufbauen.

3. Die beiden Sätze implizieren, dass wer es einmal zu Kapital – oder eben «Vermögen» – geschafft hat, profitiert von der automatischen Spirale nach oben: Das (neue) Kapital muss nur wieder angelegt werden und es vermehrt sich erneut und schafft weiteres «Vermögen».

4. Und so weiter.

5. Da «die meisten» arbeiten, also die Mehrheit, ist es definitionsgemäss also die Minderheit, die davon lebt, dass ihr Geld «arbeitet» beziehungsweise sich automatisch vermehrt.

Kann man das kapitalistische System einfacher erklären?

Trotzdem bleiben ein paar Fragen

Zumindest eine Frage bleibt bei dieser kurzen Beschreibung des kapitalistischen Systems, wie es im Westen, heute aber auch in Russland und im «kommunistischen» China genauso funktioniert, ungestellt und vor allem unbeantwortet: Woher kommt das «Geld», das sich da von selber vermehrt?

Es gibt drei Möglichkeiten:

1.

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