Einträgliches Gift

Einträgliches Gift

07-06-18 12:06:00,

Foto: Lite-Trac Crop Sprayer / CC BY-SA 3.0

  1. Einträgliches Gift

  2. Amerika – Abladeplatz für verbotene Ackergifte?


  3. Auf einer Seite lesen

Selten waren sich Bundesregierung und Europäische Kommission über die schädliche Wirkung eines Giftstoffes so einig wie bei Glufosinat

Glufosinat gilt als “reproduktionstoxisch”. Es schädigt nachweislich Insekten wie Spinnen, Käfer und Florfliegen, kann die Fortpflanzung von Säugetieren und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen, Verhaltensstörungen hervorrufen und bei menschlichen Föten zu schweren Behinderungen führen.

Als Herbizid-Wirkstoff ist es in Unkrautvernichtungsmitteln wie “Basta” oder “Liberty” enthalten. Es wird bei Kartoffeln, aber auch im Obst- und Weinbau eingesetzt und auf dem globalen Markt von Bayer in Kombination mit gentechnisch verändertem Glufosinat-resistentem Saatgut u. a. von Raps, Reis, Zuckerrüben, Mais, Soja und Baumwolle angeboten.

Etwa zehn Jahre lang diskutierten die zuständigen Behörden über ein Verbot von mehr als 50 Pestiziden. Nun soll die Zulassung des Wirkstoffes Glufosinat am 31. Juli 2018 auslaufen. Unverständlicherweise dürfen Restbestände des hochgiftigen Cocktails innerhalb einer “Übergangsfrist” bis Mitte 2019 aufgebraucht werden.

Bereits seit 2013 ist der Glufosinat-Einsatz innerhalb der EU eingeschränkt, weil Herstellerstudien dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu Folge “die Bedenken nicht entkräften” und somit ein Risiko für Säugetiere und Insekten “nicht ausgeschlossen werden” konnten.

Glufosinat – als Ersatz für Glyphosat?

2014 hatte Bayer CropScience eine Erneuerung der Zulassung für Glufosinat nach dem 31. Juli 2018 beantragt. Diesen Antrag zog der Konzern am 20. Dezember 2017 zurück – fünf Tage, nachdem die EU grünes Licht für Glyphosat für weitere fünf Jahre gegeben hatte.

Grund hierfür seien “anhaltende regulatorische Unwägbarkeiten innerhalb der EU” gewesen. Hat Bayer diese Entscheidung getroffen, um einer Ablehnung zuvorzukommen?

Dieses Verhalten wäre untypisch für den ehrgeizigen Mega-Konzern. Zweifellos sollte Glufosinat im Fall eines Glyphosat-Verbotes als Ersatz-Herbizid bereitstehen. Wegen der verlängerten Glyphosat-Zulassung wird Glufosinat – zumindest in der Europäischen Union – nun nicht mehr gebraucht.

Im Gegensatz zu den Wirkstoffen werden die anwendungsfertigen Präparate nicht von der EU, sondern nationalstaatlich zugelassen. So lief die Zulassung des glufosinathaltigen Mittels “Basta” in Deutschland bereits 2015 aus.

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