Skripal: Die britische Polizei steht mit leeren Händen da

08-06-18 07:14:00,

Bild: Man vyi/public domain

Es sei ein sehr ungewöhnlicher und komplexer Fall. Trotz immensem Aufwand gibt es keine Spuren, Russland wird im neuesten Zwischenbericht nicht einmal erwähnt

Am Dienstag hat die britische Polizei einen erneuten Bericht über die Ermittlungen im Fall Skripal veröffentlicht. Er zeigt vor allem, dass mit großem Aufwand bislang wenig herausgebracht wurde. Die Täter des Anschlags mit dem Nervengift bleiben im Dunklen, von irgendwelchen Spuren, die nach Russland reichen, ist nicht die Rede.

Das überführt letztlich die britische Regierung, die die Schuldigen aufgrund angeblicher alternativenloser Plausibilität in Russland und auch im Kreml verortete, ebenso wie die Regierungen, die sich hinter die Beschuldigungen stellten. Offenbar musste die Bundesregierung wenigstens im Geheimen vor dem Parlamentarischen Kontrollausschuss zugestehen, keine Beweise von der britischen Regierung erhalten oder selbst etwa durch die deutschen Geheimdienste erhalten zu haben, die über die Erkenntnis hinausgehen, dass für den Anschlag Nowitschok benutzt wurde (Bundesregierung hat keinerlei Beweise für Skripal-Fall). Bislang unterminieren die westlichen Regierungen, die sich hinter die Schuldzuweisung der britischen Regierung gestellt haben, das Vertrauen in die Institutionen weitaus stärker, als dies eine Desinformationskampagne von außen vermöchte.

Warum das angeblich so gefährliche Nervengift nicht tödlich wirkte, bleibt ebenso unbeantwortet wie seine Herkunft. Dass die britischen Behörden weiterhin die beiden Skripals, die sich mittlerweile erholt haben, von der Öffentlichkeit fernhält, angeblich auf eigenen Wunsch, mindert das Misstrauen nicht gerade, das durch fehlende Beweise oder auch nur Hinweise auf die Anklage der britischen Regierung verstärkt wird.

Die Metropolian Police ergeht sich in ihrem Bericht vornehmlich über die Nachweise, wie umfangreich die Ermittlungen waren, nämlich mit die größten und komplexesten der britischen Antiterror-Polizei. Abgesehen davon, dass das Nervengift wahrscheinlich auf der Türklinke angebracht wurde, wo vermutlich Sergei und Julia Skripal sowie der Polizist Nick Bailey damit in Kontakt kamen, wurde nicht viel mehr ermittelt, obgleich schon drei Monate 250 Detektive den versuchten Mordanschlag untersuchten. Jetzt würden weiterhin noch 100 Antiterror-Offiziere in Salisbury bleiben, um die vorhandenen Hinweise zu sichten und jeder Spur zu folgen. Bislang seien 1230 Offiziere von zusätzlichen 40 Einheiten an dem Einsatz beteiligt gewesen sein, eine große Zahl sei für die eher zwecklosen, aber demonstrativen Absperrungen eingesetzt worden. Allein der Wiltshire Police soll dies bereit 7,5 Millionen Pfund gekostet haben.

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