Aggressives außenpolitisches Handeln erfolgt oft auf erpresserischen Druck – www.NachDenkSeiten.de

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11-06-18 09:33:00,

Aggressives außenpolitisches Handeln erfolgt oft auf erpresserischen Druck

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Interviews, Strategien der Meinungsmache, Wirtschaftspolitik und Konjunktur

Henrik Paulitz

„Es ist schlimm, dass die Öffentlichkeit in Europa offenkundig wieder an den Gedanken eines Krieges gewöhnt werden soll“, sagt Henrik Paulitz im Interview mit den NachDenkSeiten. Der Friedens- und Konfliktforscher warnt davor, das angespannte Verhältnis zwischen Russland und den USA durch die Brille des Ost-West-Konflikts zu betrachten, wie es zur Zeit des Kalten Krieges der Fall war. Paulitz, der Leiter der „Akademie Bergstraße für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung“ ist, erläutert, dass es vielmehr darum geht, sich auf die vielschichtigen Interessen aller Beteiligten zu konzentrieren. Die Erwartungen anderer Staaten, wonach Deutschland wieder zu einer militärischen Führungsmacht werden solle, müssten „ins Zentrum der friedenspolitischen Diskussion gerückt“ werden, so Paulitz. Das Interview führte Marcus Klöckner.

„Wenn eine Krise oder Krieg kommt“, lautet der Titel einer Info-Broschüre, die die schwedische Regierung vor kurzem herausgegeben hat. Im vergangenen Jahr wurde auch in Deutschland ein neues „Zivilschutzkonzept“ vorgestellt und der Bevölkerung geraten, dass Haushalte pro Person zwei Liter Wasser für fünf Tage vorrätig haben sollten.
Wie schätzen Sie diese Maßnahmen ein?

Es ist schlimm, dass die Öffentlichkeit in Europa offenkundig wieder an den Gedanken eines Krieges gewöhnt werden soll. In Kriege schlittern Länder nicht hinein, sie werden von langer Hand unter anderem auch ideologisch-propagandistisch vorbereitet.

Wie sehen Sie als Friedensforscher die aktuellen Entwicklungen zwischen West und Ost? Liegt hier tatsächlich Potenzial für einen neuen großen Krieg oder geht der Gedanke zu weit?

Ich wundere mich insbesondere darüber, dass man die Welt nach zwei Jahrzehnten enger Kooperation mit Russland, erinnert sei nur an die lange Phase der G8-Gipfel, urplötzlich wieder durch die alte Kamera einer Ost-West-Konfrontation präsentiert bekommt. Warum akzeptiert man diese Betrachtungsweise so leichtfertig, die ein angebliches Hineinschlittern in einen Krieg plausibel erscheinen lassen würde? Die ganze Debatte bereitet ideologisch den Boden dafür, dass sich am Ende niemand wundern müsste, wenn es zum Äußersten kommt. Auch bietet diese Sichtweise eines Ost-West-Konflikts die Möglichkeit, die tatsächlichen Hintergründe der Kriege im Nahen Osten und in Afrika zu verschleiern.

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