Die Blutball-Weltmeisterschaft

14-06-18 08:41:00,

Nicht nur bei den BRICS-Staaten kommt Russland in der Rangliste nach Brasilien: Auch in der Chronik der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft ist Russland der Brasiliens Nachfolger. Wieder findet die WM in einem sehr großen Land statt und wieder ereignen sich – wie fast immer – unschöne Dinge im Hintergrund des Mega-Sportevents. Allerdings wirken die medialen Schiedsrichter dieses Jahr wie ausgewechselt. Während man Brasilien die übelsten Grätschen nahezu folgenlos durchgehen ließ, pfeift man bei Russland bis zum Tinnitus und bewirft den Bären mit roten Karten, bis das Spielfeld zum Roten Platz wird.

Die WM 2014 war noch nicht einmal ein Jahr verstrichen – Deutschland sonnte sich immer noch in dem Glanz des WM-Titels – da feuerte 2015 die FAZ vor dem großen diesjährigen Mediendonner gegen Russland bereits den ersten Blitz ab. Die Grünen-Politikerin Barbara Lochbihler bewertete damals schon die Menschenrechtslage in Russland als „nach wie vor sehr schlecht“ und befürchtete die Ausbeutung von Bauarbeitern, die an dem Aufbau der Stadien beteiligt sein würden.

Auf jeden Blitz folgt ein Donner. Die FAZ bildet hierbei die dunkelste Wolke auf dem russlandfeindlichen Wetter-Radar. Tatsächlich bewahrheiteten sich die Befürchtungen Lochbihlers. „Tod und Ausbeutung in russischen WM-Stadien“ titelte die FAZ 2017 in einem Bericht über nordkoreanische Hilfsarbeiter, die unter widrigsten Umständen und prekärsten Arbeitsverhältnissen die russischen Fußballtempel errichteten und kaum oder keinen Lohn erhielten. Kim Jong-un erhalte für die Bereitstellung von Humankapital Vergünstigungen. Bereits 15 Tote seien zu beklagen.

Aus allen Richtungen versucht man Russland zu torpedieren. Erst knapp ein Jahr nach der Verabschiedung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Deutschland betitelt das deutsche Leitmedium FAZ einen Artikel über Homophobie in Russland mit dem Satz: „Herr Putin, dann haben wir ein Problem“. Dann wird im selben Blatt der Vergleich des britischen Außenministers Boris Johnson, der die WM 2018 mit den Olympischen Spielen 1936 gleichsetzt, völlig unkritisch abgedruckt. Zu guter Letzt holt man noch den altbewährten Doping-Vorwurf aus der Schublade und echauffiert sich darüber, dass Russland dem ARD-Dopingexperten die Einreise verweigert hat. In diesem Artikel darf die Co-Parteivorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, ihrer Russophobie frönen: „Das unterstreicht, in welchem Land die WM stattfindet“.

Diese Kritik ist nun zwar gewissermaßen berechtigt. Nur: Wo war denn diese akribisch-kritische Berichterstattung damals bei Brasilien? Verurteilte man die wesentlich heftigeren Zustände im Vorfeld der WM in Brasilien,

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