Netz der Lügen

15-06-18 10:18:00,

Der Schock, den die Bürger der USA am sogenannten „Nine-Eleven“ erlitten, war augenblicklich verknüpft mit dem Menetekel des Einsturzes zweier Türme. Die Bestürzung am Tag der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA ist zunächst nicht mit jenem Schock am 11. September 2001 vergleichbar. Dies deshalb, weil am 8. November 2016 das volle Ausmaß der Katastrophe noch nicht sichtbar war, die sich gerade ereignet hatte.

Vordergründig hatte sie nur die Gegner Trumps getroffen. Erst die Ursachenforschung dieses für alle so wenig verständlichen Ereignisses machte einen Urknall hörbar, der die Welt des Internets erschüttert hatte und nun drohte, einen schlafenden Riesen zu wecken. Es stand der ungeheure Verdacht im Raum, dass der Wahlsieg Trumps nicht dem Wählerwillen entsprach sondern das Ergebnis einer Manipulation des Wählers über das Internet war – ausgeführt durch eine Firma namens Cambridge Analytica, die millionenfach Privatdaten von Facebook-Nutzern missbraucht zu haben schien.

Das Menetekel der unverständlichen Wahl Trumps am „Eleven-Eight“ rückte die Macht der Internet-Konzerne in den Fokus der Aufmerksamkeit des Bürgers.

Schon wenige Tage nach der Wahl ahnten die Facebook-Beschäftigten, dass Cambridge Analytica mit Hilfe der auf der Plattform hinterlegten privaten Daten von 87 Millionen Amerikanern massiv Einfluss auf die Wahl genommen hatte. Die Bürger erfuhren aus den Nachrichten Stück für Stück, welche Macht sie den Internetgiganten durch Überlassung ihrer Privatdaten in die Hände gegeben hatten. Es ging um die Macht, nicht nur unvorstellbaren Reichtum durch Analyse und Verkauf der Daten abzuschöpfen, sondern insbesondere direkt auf das Verhalten und auf das Denken der Bürger Einfluss zu nehmen und so die Demokratie auszuhöhlen.

Tatsächlich braucht man kein IT-Experte zu sein, um zu verstehen, was uns Spezialisten zum wiederholten Mal erklären: Die Macht einer internetgesteuerten Kampagne Trump’scher Prägung liegt darin, dass jeder Bürger persönlich angesprochen werden kann.

Wir müssen den ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt ernstnehmen, wenn er behauptet, dass das von Google aus Privatdaten berechnete Persönlichkeitsprofil den Bürger besser beschreibt als dieser sich selbst kennt.

Gleiches gilt für Facebook und dessen Werbestrategien. Wenn ein Wähler zum Beispiel Hundehasser ist, wird Trump ihm schreiben, dass er die Gesetze für Haustierhaltung verschärfen möchte. Einem Hundeliebhaber wird er natürlich schreiben, dass auch er selbst einen treuen vierbeinigen Freund hatte. Wenn Trump ein Gesetz zur Steuersenkung plant, wird er einem Kleinunternehmer die Vorteile dieser Steuersenkung darlegen,

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