Das Trauma des Krieges

Das Trauma des Krieges

16-06-18 07:45:00,

„Jeder fängt mal klein an.“ Es sind solche auf den ersten Blick simplen Sätze, die Franz Ruppert auf der Bühne sagt. Sätze, in denen jedoch so viel Erkenntnis steckt, dass man sie erstmal gründlich sacken lassen muss.

Dazu zählen auch Einsichten wie: „Es ist doch völlig absurd, sich in ein Flugzeug zu setzen und jemandem eine Bombe auf den Kopf zu werfen.“ Auch diesen selbstverständlichen Satz formulierte Ruppert. Doch wir haben uns an den militaristischen Wahnsinn in Unterhaltungs- und Nachrichtenmedien schon dermaßen gewöhnt, dass wir solche Grundeinsichten viel zu selten so hervorheben.

Franz Ruppert, Daniele Ganser und die Traumatherapeutin Birgit Assel hatten an einem heißen Tag Ende Mai in Hannover auf einem Podium zusammengefunden. In einer von Ken Jebsen moderierten Runde bekräftigten sie nicht nur Grundeinsichten wie die oben genannten, sondern erläuterten auch den Zusammenhang zwischen Krieg und Trauma.

Trauma ist der medizinische Begriff für Verletzung. Ein Psychotrauma ist also nichts weiter als eine Verletzung des mentalen und emotionalen Innenlebens, erläuterte Ruppert. „Die Psyche ist ein wunderbares Werkzeug, das sich im Verlauf des Lebens immer weiter entwickelt“, sagte er gleich zu Beginn.

Doch die Psyche brauche gute Pflege. Wenn sie Schaden nimmt, also traumatisiert wird, spalte sie sich auf, erklärte der Münchener Psychologe weiter. Beim Ich unterschied er eine Dreiteilung in ein gesundes Ich, ein abgespaltenes (traumatisiertes) Ich und ein Überlebens-Ich. Letzteres habe die Aufgabe, die Existenz des traumatisierten Teils zu leugnen und aus dem Bewusstsein zu verdrängen.

Doch der verletzte Teil der Psyche bleibe weiterhin erhalten und kann bei Unterdrückung mit körperlichen Symptomen auf sich aufmerksam machen. Letztlich entstehe ein innerer Kampf zwischen traumatisiertem und Überlebens-Ich. „Wer diesen inneren Kampf mit sich herumträgt, ist schon weit entfernt von einem guten Leben“, erklärte Ruppert, der auch im Rubikon-Beirat aktiv ist.

Trauma ist beim Thema Krieg allgegenwärtig. Die Traumatisierung des Gegners sei einer der Zwecke von Kriegen. Opfer werden traumatisiert, Täter werden traumatisiert und überhaupt arbeiteten nur traumatisierte Akteure auf Kriege hin, sagte Ruppert. Sie betrachteten Kriege als vermeintliche Lösung ihrer Traumata. Nicht Traumatisierte hätten hingegen kein Interesse daran, Kriege zu führen.

Und da wären wir bei den Kindern: „Jeder fängt mal klein an.“ Menschen entwickelten regelrechte Traumabiographien, denn die Psyche entwickele sich auf frühen traumatischen Erlebnissen etwa durch die Eltern, so Ruppert.

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