Der Friedens-Praktiker

16-06-18 07:51:00,

Neulich erzählte mir ein Freund, er sei in Berlin bei einem Roger-Waters-Konzert gewesen. Anschließend habe die Presse berichtet, es hätte nur verhaltenen Beifall gegeben und die Zuschauer hätten schon vor Konzertende scharenweise die Veranstaltung verlassen.

Der Freund hatte das ganz anders in Erinnerung: Er erlebte tosenden Applaus und eine Mercedes-Benz-Arena, die bis zuletzt prall gefüllt war. Also fragte er sich: Beschrieb der Redakteur tatsächlich das Konzert, das er besucht hatte?

Ähnlich erging es mir beim Lesen von Heike Vowinkels Artikel in der „Welt am Sonntag“ über Daniele Gansers Vortrag am 28. Mai im Star Event Center Hannover. Ich saß selbst im Publikum, doch hätte Heike Vowinkel nicht Sätze zitiert wie „Guten Abend. Ich bin Daniele Ganser, …“, auch ich hätte geglaubt, wir hätten unterschiedliche Veranstaltungen besucht.

Heike Vowinkel erwähnt kurz die vorangegangene Gesprächsrunde mit Daniele Ganser und einem Traumapsychologen, unterschlägt aber die Anwesenheit der Traumatherapeutin und Sozialpädagogin Birgit Assel, die die Gesamtveranstaltung organisiert und die beiden anderen Teilnehmer zusammengebracht hat, um unter der Moderation von Ken Jebsen den Zusammenhang zwischen Krieg und Trauma zu beleuchten.

Die Besucher, die beide Programmteile erlebt haben, fanden den ursächlichen Sinnzusammenhang, dass Kriege traumatisieren und nur psychisch Traumatisierte Kriege führen, auch im Abendvortrag wieder.

Aber nun zum Abendvortrag: Das Ticket kostete nicht 35 Euro, wie von Heike Vowinkel behauptet, sondern die circa 1.200 Gäste konnten für 25 Euro Daniele Gansers Vortrag hören. Über diesen Vortrag berichtete Vowinkel im Welt-Artikel ein bisschen, allerdings nur, weil er sehr umfangreich war. Stattdessen zitiert sie immer wieder einen Besucher namens Christoph Bode, der mit zwei Freunden nach Hannover gekommen war.

Überproportional viel Raum nimmt Daniele Gansers Vergangenheit ein: seine “gescheiterte” Wissenschaftskarriere, seine verlorenen Lehraufträge an Schweizer Universitäten, die Behauptung, er sei ein Verschwörungstheoretiker. Diese Informationen stehen jedoch alle in Wikipedia, dafür braucht es keinen Zeitungsartikel über einen Abendvortrag.

Desweiteren schildert Heike Vowinkel Eindrücke mit BILD-haften Worten wie „Heilsprediger“, „wie ein Star gefeiert“ (Daniele Gansers Bühnenausstrahlung), „Sendung mit der Maus“ (seine Vorträge meinend) oder „… junge Frauen mit Kopftuch“ (das Publikum beschreibend). Und sie legt Daniele Ganser Aussagen in den Mund, die er nicht gemacht hat, beispielsweise:

„All das Leid in der Welt gäbe es nicht, hielten sich die USA nur an die UN-Charta.“

Was genau aber hielt Heike Vowinkel davon ab,

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