Terrorismus-Lügen

22-06-18 08:33:00,

Bei der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) reagierte man hinter verschlossenen Türen mit mächtiger Aufregung, Helfer für die Igel wurden gesucht.

Die hauseigenen Wissenschaftler der BStU lesen in ungeschwärzten Akten, sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Für die Öffentlichkeit tätige Journalisten, die bei der Behörde Anträge auf gezielte Akteneinsicht stellen, erhalten nur geschwärzte und ausgedünnte Akten (siehe den detaillierten Nachweis im Schlusskapitel der „Terrorismus-Lügen“). Vor allem bei Akten aus explosiven Bereichen des Geheimdienstes geht es da vorrangig nicht um Wahrung von Persönlichkeitsrechten – wie es offiziell heißt –, sondern um Wahrung von Staatsgeheimnissen.

Der deutsche Geheimdienst Ost hatte mit Weitsicht und Raffinesse schon gleich nach dem 2. Weltkrieg seine Leute in die Verästelungen der neu aufzubauenden demokratischen Gesellschaft West infiltriert und bis zu seinem Ende viele Geheimnisse des deutschen Staates West gesammelt.

Jedoch gab es keine Helfer und es wurde auch keiner gefunden. Die Aktenleserin hatte allerdings einiges Vorwissen über die Hintergründe des Terrorismus aus Ermittlungen von Untersuchungsrichtern und parlamentarischen Untersuchungskommissionen in Italien (Regine Igel: Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien, Herbig 2006) und die Nutzung des Terrorismus auf beiden Seiten des Kalten Krieges. Der bis dahin seit Bestehen der BStU erstmalige, gründlichere Blick in 60.000 Akten aus der Stasi-Abteilung XXII zur sogenannten Terror-Abwehr erbrachte große Neuigkeiten, wie die „Terrorismus-Lügen“ belegen.

Bereits im ersten Jahr nach Erscheinen des Buches wurde deutlich: Der Inhalt ist nicht erwünscht. Doch warum sollte niemand erfahren, dass der untergegangene Osten Terroristen ausgebildet, finanziert, strategisch geführt und vor Verfolgungen in anderen Ländern geschützt und beherbergt hat?

Anhänger des Sowjetsystems, und davon gibt es noch erstaunlich viele, – sie halten sich jedoch gerne bedeckt –, leugneten vehement: So etwas kann gar nicht sein, der Osten habe diese schon zu Lebzeiten erhobenen Vorwürfe immer dementiert und Terrorismus als revolutionäres Mittel scharf kritisiert. Sie sträubten sich ganz offensichtlich zu akzeptieren, dass das Nebeneinander von offener und verdeckter Politik, also von deep politics, auch in sozialistischen Ländern existierte.

Im zweiten Jahr nach Erscheinen wurde der Buchinhalt systematischer diskreditiert. Wie gerufen tauchten Juniorprofessoren und ambitionierte Forscher auf und beklagten den „investigativen Übereifer“ der Autorin und diskreditierten mehr pauschal als detailliert und dies mit unpräzisen kleinen Fußnoten. Das Zauberwort „verschwörungstheoretisch“ fungierte allseits als ein sich selbst entlarvender Beleg. Niemand widerlegte Inhalte des Buches mit seinen 750 Fußnoten.

Dann versuchten alte Ostfreunde die Dinge in Film und Druckmedien von den neuen Beweisen reinzuwaschen.

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